HO Kap. IX. Dio sociale Mechanik. Das Sittliche.
eine und dieselbe Vorstellung in Bereitschaft hat, dieseVorstellung hat sich noch bis auf den heutigen Tag be-behauptet*).
*) Ich stelle einige Zeugnisse aus den letzten Jahren (4 878—1880)zusammen. H. Lolze, Mikrokosmus, B. 2, Aufl. 3 (1878) S. 338fl.insbesondere S. 340 »ein unaustilgbarer Keim des Guten ist dem
menschlichen Geist im Gewissen angeboren......aber das
naturwüchsige Gemüth des Menschen erzeugt keineswegs dieklare Einsicht in alle sittlichen Gebote«. E. von Hartmann, Phä-nomenologie des sittlichen Bewusstseins, Berlin (1879) S. 322fl. Ichhebe den Satz auf S. 325 hervor. »Die dem Menschen innewoh-nende Vernunft wird so zum autonomen Gesetzgeber, indem sieaus des Menschen sittlichem eigensten Wesen heraus denkategorischen Anspruch erhebt, dass auch im menschlichen Han-deln alles vernünftig zugehe und das Vernunftwidrige ausgeschlossenbleibe. Wir wissen, dass die Vernunft ganz ebenso den Ansprucherhebt, dass auch im menschlichen Denken alles vernünftig zugehe,und dass dieser Anspruch seinen Ausdruck findet in den logischenDenkgeselzen und deren Anwendung auf Erkenntnisstheorie undMethodologie; dies ist der kategorische Imperativ der Vernunft auftheoretischem Gebiete, wie die rationellen Gesetze des Handelnsderjenige auf praktischem Gebiete. Je nach der Bethätigung derfreien Vernunft auf diesem oder jenem Gebiete unterscheidetman eine theoretische und praktische Seite derselben, oderauch kürzer ausgedrückt eine theoretische und praktischeVernunft«. Liebmann, Analyse der Wirklichkeit, Strassburg(1880), S. 6!i2: Das Gewissen sei nicht bloss eine formale, inhalts-leere Anlage oder Function, die ihren specifischen Inhalt vonaussen erhalte. S. 670 »natürliches nicht künstlich aner-zogenes Gewissen«. Hugo Sommer, die Ethik des Pessimismus,in den preuss. Jahrbüchern, B. 43. S. 39G (1880): »Das Gewissenist die einzige wahre aprioristische Grundlage aller Sittlichkeit«.In Bezug auf andere Schriftsteller bin ich nicht völlig sicher, ob ichsie hierher zahlen darf, so z. B. J. J. Baumann, Handbuch derMoral, Leipzig 1879, welcher S. 74 »den Gang der Menschheit aufdie Natur des Willens und die Gesetze seiner Ausbildung«gründet, S. 124 von moralischen Tendenzen spricht, welche demMenschen von Anfang an beizulegen seien. Felix Dahn, Die Ver-nunft im Recht, Berlin (1879) und Abh. in der Zeitschrift für ver-gleichende Rechtswissenschaft B. 3. S. 5 (188o), wo er die Moral auf