Druckschrift 
2 (1883)
Entstehung
Seite
101
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Die imperativische Form des Sittengesetzes. 101

lenkt ihn von dieser Frage nach der Quelle ab und ver-lockt ihn in die Bahn einer Dialektik, welche ihm vor-spiegelt, er könne mit Hülfe rein formaler Operationen(Consequenz Construction Speculation) die Wahrheitgewinnen, sein Problem erfordere kein anderes Verhaltenals das des Naturforschers gegenüber den Dingen derNatur: reine, unbefangene Hingabe an das Object, An-wendung der naturhistorischen Methode auf die Welt desGeistes.

Darum nehme ich mit Absicht und Bewusstsein fürden Zweck meiner Untersuchung die Form des Imperatives:die der sittlichen Normen wiederum auf; es wird sich zeigen,ob dieser scheinbare Rückfall in eine angeblich wissen-schaftlich überwundene Form denn als solche wird siebezeichnet der Sache förderlich ist oder nicht.

Noch in einer anderen Richtung wird die folgendeDarstellung den Schein eines wissenschaftlichen Rück-schrittes auf sich laden. Sie findet die Quelle des sitt-lichen Imperativs nicht im Individuum, sondern in der Ge-sellschaft, sie lässt also denselben von aussen an dasSubject herantreten. Damit verfällt sie dem Vorwurfe derHeteronomie des Moralprincips, was für gleichbedeutendgilt mit Unwissenschaftlichkeit. Das wahre Moralprincipsoll der neuern Ethik zufolge*) ein autonomes sein, es

*) Auf diesen Gegenstand der Autonomie und Heteronomie desMoralpiincipes ist das ganze oben citirte Werk von E. von Hart-mann gebaut.