Druckschrift 
2 (1883)
Entstehung
Seite
98
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98 Kap. IX. Die sociale Mechanik. Das Sittliche.

oder der Quelle der sittlichen Normen, woher kommensie? und die nach dem Zweck, was sollen sie?Die zweite Seite fällt zusammen mit der Frage nach demsubjectiven Motiv des sittlichen Willens was bestimmtden Willen, die sittlichen Normen zu befolgen?

Die drei hier aufgeführten Fragen lassen sich ab 1 , diedrei Kardinalfragen der Ethik bezeichnen. Sie be-deuten für die Ethik dasselbe, was für das Dreieck diedrei gegebenen, dasselbe bestimmenden Stücke. Wer siein einer bestimmten Art beantwortet hat, hat damit zu denGrundproblemen der Ethik Stellung genommen; sie bildendie trigonometrische Trias der Ethik, aus der sich allesandere berechnen lässt. Wer sich und Andern Klarheitüber sein Verhalten zu diesen Problemen verschaffen will,muss sie beantworten; so lange er dies nicht gethan hat,ist das Dreieck noch nicht fertig. Die Punkte, welche mansonst wohl als entscheidende anzusehen pflegt, z. B. diebekannte Trias der ethischen Güter, Tugenden, Pflichten(Schleiermacher) reichen zu dem Zwecke nicht aus, sie be-deuten für die Ethik nicht mehr, als die drei Winkel fürdas Dreieck, letzteres ist damit keineswegs gegeben.

Wenn ich die sittlichen Normen zum Ausgangspunktund zum Fundament meiner ganzen Untersuchung mache,so bedarf dies der Rechtfertigung. Ich mache mich damiteines Rückfalls in eine angeblich von der Wissenschaftlängst überwundene Behandlungsweise schuldig.

' In derselben Weise, wie die Jurisprudenz aus Grün-