Druckschrift 
2 (1883)
Entstehung
Seite
97
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Die drei Kardinalfragen der Ethik. 97

von der Richtigkeit der gefundenen Lösung aufs festesteüberzeugt. Dieselbe hat sich mir im Laufe der Jahre anallern, woran ich sie erprobte: an der Erfahrung des täg-lichen Lebens wie an den Thatsachen der Geschichte undbei der Kritik der Ansichten Anderer stets bewährt, ich habenie Gelegenheit gefunden, sie in Zweifel zu ziehen, sie istbei allen Fragen, an denen sie sich zu bewähren hatte,stets ohne Rest aufgegangen. Ja mehr als das: sie hatsieb mir als eine Leuchte erwiesen, die, wohin ich sietrug, stets neues Licht verbreitete, mir Aufschlüsse ge-währte, die ich selber nicht erwartet hatte, und wenn diewissenschaftliche Ergiebigkeit und Fruchtbarkeit eines all-gemeinen Gesichtspunktes, dass ihm gleich der lebendigenQuelle stets ein neuer Wahrheitsgehalt entquillt, ohne sichje zu erschöpfen, ein Kriterium der Wahrheit ist, so darfich glauben, die Wahrheit gefunden zu haben. Ich orientireden Leser über den Plan und Gang der folgenden Unter-suchungen.

Der Grundplan derselben beruht auf der Unterschei-dung zweier Seiten des Sittlichen: des objeetiv und dessubjeetiv Sittlichen. Unter ersterem verstehe ich diesittlichen Normen, die objeetive sittliche Ordnung, unterletzterem das praktische Verhalten des Subjects zuderselben: den subjeetiven sittlichen Willen, die sittlicheGesinnung.

Die wissenschaftliche Betrachtung der ersten Seite hatzwei Fragen zum Gegenstand: die nach dem Ursprung

v. Jhering, Der Zweck im Recht. II. X Aufl. 7