Druckschrift 
2 (1883)
Entstehung
Seite
96
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96 Kap. IX. Die sociale Mechanik. Das Sittliche.

selbst, von allen Räthseln, welche die Natur ihm auf-gegeben hat, ist er selbst das schwerste.

Auf keinem Gebiete des menschlichen Wissens gehennoch bis auf den heutigen Tag die Grundanschauungen soweit aus einander als auf dem der Ethik, und wenn manmanche Werke über diese Disciplin miteinander vergleicht,insbesondere die der Deutschen und Engländer, z. B. ausfrüherer Zeit Kant und Schleiermacher mit Bentham,aus allerjüngster E. v. Hartmann mit Herbert Spen-cer*), so sollte man kaum glauben, dass sie auf demselbenwissenschaftlichen Boden gewachsen seien.

Wäre ich im Stande gewesen, mich einer der bisheraufgestellten Grundanschauungen schlechthin anzuschlies-sen, gern würde ich es vermieden haben, mich an einemProbleme zu versuchen, das meinem Berufswissen fernliegt, und dem ich früher, so oft ich in die Nähe des-selben kam, scheu ausgewichen bin. Ein solches Um-gehen war aber bei dem gegenwärtigen Werk unmöglich,die Feststellung des Verhältnisses des Rechts zum Sitt-lichen, der ich mich nicht entziehen konnte, nöthigte mich,Rede und Antwort zu stehen, und so war ich, da ichmich von der Richtigkeit der Lösung des Problems vonSeiten Anderer nicht überzeugen konnte, gezwungen, michselbständig an demselben zu versuchen. Subjectiv bin ich

*) E. von Hartmann, Phänomenologie des sittlichen Bevvusst-seins, Berlin 1879, und Herbert Spencer, Die Thatsachen derEthik. Autorisirte deutsche Ausgabe von B. Vetter, Stuttgart 1879.