Die Sprache. — Zwecksubject des Sittlichen. 91
d. i. Förderung des eigenen Daseins, zum Gegenstande hat.Der Erzieher, der dem Zöglinge Verhaltuogsmassregeln fürsein Benehmen, der Lehrer, der dem Schüler Aufgabengibt, thut es nicht seinet-, sondern des Letzteren wegen.Gott zum Zwecksubject des Sittlichen machen, ist ein Ge-danke, der mit der Vorstellung eines höchsten Wesensschlechterdings unverträglich ist, es hiesse, das Abhängig-keitsverhältnis s Gottes vom Menschen behaupten. Dass diereligiöse Auffassung des Unsittlichen als Sünde (S. 80/81),indem sie die Richtung desselben gegen Gott betont, demnicht entgegensteht, bedarf nicht der Ausführung.
Nachdem das Ich und Gott als Zwecksubjecte desSittlichen ausgeschieden sind, bleibt nur noch die Gesell-schaft übrig, und wir können nunmehr mit aller Bestimmt-heit sagen: die Sprache kann kein anderes Subject imAuge haben als die Gesellschaft.
Aber wenn es- uns auf diesem Wege auch gelungenist, die Sprache durch ihre eigenen Aussagen so zu um-stellen und einzuschliessen, dass ihr nichts mehr übrigbleibt, als uns die Gesellschaft zu nennen, so ist es docheine andere Frage, ob sie selber sich dessen klar bewusstgeworden ist.
Klar und unzweideutig ist der Gedanke, dass dieGesellschaft das Zwecksubject, d. i. das praktische Prin-cip des Sittlichen ist, jedenfalls von ihr nicht zumAusdrucke gebracht worden. Es fehlt allerdings nicht anWortbildungen, bei denen sie den Schwerpunkt des Sitt-