Druckschrift 
2 (1883)
Entstehung
Seite
90
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90 Kap. IX. Die sociale Mechanik. Das Sittliche.

Menschen ausser ihm (die Gesellschaft) und Gott. Zwi-schen diesen drei Subjecten muss jede Theorie des Sitt-lichen wählen, es gibt keine andere Wahl, und ich glaubedamit eine erschöpfende Klassification sämmtlicher ethischenSysteme aufgestellt zu haben. Gott, das Ich, die Gesell-schaft damit ist der Umkreis des Möglichen in Bezugauf das Zwecksubject für die Ethik umschrieben.

Dem Obigen zufolge scheidet nach der Vorstellungder Sprache das Ich aus, es bleibt also nur die Wahlzwischen Gott und der Gesellschaft übrig.

Gott kann nicht Zwecksubject des Sittlichen seindas hiesse unser menschliches Handeln zu einer Bedingungseines Daseins erheben, die Erreichung seiner Zwecke vonunserm Handeln abhängig machen. Denn jeder Zweck,den wir dem Dasein eines Andern entnehmen, beabsichtigt,dasselbe zu fördern, dem Andern durch unsere Beihülfedie Erreichung seiner eigenen Zwecke möglich zu machen,ihm zu helfen.

Wenn wir, was schliesslich an richtiger Stelle vonuns geschehen wird, den letzten Grund des Sittengesetzesin Gott verlegen werden, so ist damit die Frage: ob Gottselber als Zwecksubject des Sittlichen anzusehen ist, inkeiner Weise angegriffen. Gott kann Urheber des Sitten-gesetzes sein, aber dadurch wird er nicht zum Zweck-subject. Auch der Einzelne kann durch Vertrag oderTestament, oder, wo er in der Lage ist zu befehlen, durchBefehl, etwas anordnen, was nicht die eigenen Zwecke,