Druckschrift 
2 (1883)
Entstehung
Seite
89
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Die Sprache. Zwecksubject des Sittlichen. 89

Wendungen, welche eine Richtung auf etwas Unpersön-liches impliciren. Wir sprechen z. B. von einer Liebe zurWahrheit, einem Tode fürs Vaterland, einer Aufopferungfür die Wissenschaft. Diese Redeweise soll in keinerWeise bemängelt werden, allein in Wirklichkeit ist esnicht etwas Unpersönliches, sind es nicht Begriffe, welchewir lieben, und für die wir uns opfern, sondern Menschen,welche dadurch in ihren Zwecken gefördert werden sollen.Hinter den s. g. idealen Interessen, welche wir verfolgen,hinter der Idee, für welche wir unsere Kräfte oder unserLeben einsetzen, stecken reale Persönlichkeiten, derenWohl, sei es, welches es sei, dadurch gefördert werdensoll, wir selber, unsere Angehörigen, unsere Glaubens-genossen, unsere Mitbürger, die Armen, die Vertreter derWissenschaft u. s. w., in höherer Potenz ein ganzes Volk,in höchster die Menschheit jede Idee als prakti-sches Motiv unseres Handelns endet schliesslichin lebenden Wesen.

Nur ein lebendes Wesen also kann Zwecksubject desSittlichen sein, das Unlebendige, dem die sittliche Thatsich scheinbar zuwendet: die Wahrheit, die Wissenschaft,das Vaterland u. s. w. ist nur der Schauplatz oder derGegenstand unseres Thuns, zu gute kommt es nur einerPerson die Person ist das Zwecksubject allensittlichen Handelns.

Als Zwecksubject des Sittlichen lassen sich nur dreidenken: der Handelnde selber (das Ich), andere