Druckschrift 
2 (1883)
Entstehung
Seite
86
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86 Kap- !X. Die sociale Mechanik. Das Sittliche.

Sprache zwischen dem Sittlichen und Unsittlichen noch einMittelgebiet, welches durch diesen Gegensatz nicht getroffenwird: das neutrale oder Indifferenzgebiet des Sittlichen,und im Sinne der Sprache können wir diese Handlungenals sittlich indifferente bezeichnen. Ob sich nichtauch für sie eine Auffassung begründen lässt, welche siedem Sittlichen unterordnet, steht hier noch nicht zur Frage,ich werde darauf später (Kap. X) zurückkommen; hier habenwir es lediglich mit der Auffassung der Sprache zu thun,und in Bezug auf sie steht die Richtigkeit des Gesagten:die sprachliche Dreitheilung der menschlichen Handlungenin sittliche, unsittliche und erlaubte ausser Zweifel. Dienaive Auffassung des Volks wird es sich nie nehmenlassen, dass das Erlaubte etwas anderes ist als das Sitt-liche, dass ein Mensch, der isst, trinkt, sich vergnügt, sichnicht rühmen darf, eine sittliche Handlung vorgenommenzu haben.

Das Motiv einer jeden erlaubten Handlung, die nichtsweiter ist als dies d. i. nicht unter die Kategorie der sitt-lichen fällt, liegt im Handelnden selber, es ist das eigeneWohl oder Bedürfniss, dass ihn dazu veranlasst, sie gehörtalso zur Kategorie der des eigenen Ichs wegen vor-genommenen d. i. der egoistischen. Aber bei ihnen hältder Egoismus sich innerhalb der ihm durch das Sitten-gesetz gesteckten Grenzen, während er sie bei den un-sittlichen Handlungen überschreitet; dort nimmt er dieGestalt der Selbstbehauptung, hier die der Selbstsucht an.