84 Kap. IX. Die sociale Mechanik. Das Sittliche.
herausfordern, ist die Unversehrtheit eines Instruments,das nie gebraucht worden ist — ein Messer, mit dem niegeschnitten ist, soll sich nicht rühmen, keine Schartenzu haben, erst das Schneiden erprobt die Festigkeit desStahls.
Ich berühre damit wiederum einen jener Punkte, beidenen die sprachliche Untersuchung unvermerkt in einesachliche umzuschlagen droht, und wo ich genöthigt bingewaltsam abzubrechen. Ich behalte mir vor, den Gedan-ken, den ich hier nur gestreift habe: die Beurtheilung dessittlichen Charakters einer Handlung nach Massgabe dersubjectiv aufgeboteuen Willenskraft bei einer anderen Ge-legenheit (Theorie des sittlichen Willens), wiederum auf-zunehmen.
14. Die Aussagen der Sprache. — Das Erlaubte. —Das Zwecksubject des Sittlichen.
Die beiden Glieder eines Gegensatzes können so be-schaffen sein, dass sie den Raum, den er einnimmt, voll-ständig ausfüllen, so dass er also neben den beiden Mög-lichkeiten, welche sie statuiren, für eine dritte keinen Platzmehr bietet, oder so, dass sie zwischen sich noch ein Ge-biet in der Mitte offen lassen, welches durch den Gegen-satz nicht berührt wird. Zwischen wahr und unwahr,sterblich und unsterblich liegt nichts in der Mitte, zwischenreich und arm, schön und hässlich dagegen gibt es einMittelmass des Vermögens und der körperlichen Gestaltung,