76 Kap. IX. Die sociale Mechanik. Das Sittliche.
schliesslichen Massstab zur Beurtheilung der mensch-lichen Handlungen, so lassen sich nicht gewisse als selbst-süchtige besonders hervorheben, dann passt die Bezeich-nung für alle oder keine unter ihnen. Bildet der Egoismusdas ausschliessliche Motiv des menschlichen Handelns,so enthält die Selbstlosigkeit eine psychologische Unmög-lichkeit.
Was nun auch die Sprache positiv über das Sittlicheauszusagen vermag, so viel ist schon von vornherein sicher,dass sie dasselbe nicht auf das Ich stützen kann, wie esdie unten zu betrachtende individualistische Theorie desSittlichen thut. Dadurch würde sie genöthigt, ein doppel-tes Ich zu unterscheiden: ein niederes und ein höheres,jenes waltend in der Sphäre des Egoismus, dieses in derdes Sittlichen. Das Ich aber hat sie sprachlich bereits inden obigen Ausdrücken für den Egoismus vollständig aus-genutzt, während es ihr doch, wenn sie ein doppeltes Ich:ein egoistisches und ein sittliches, unterscheiden wollte,ein Leichtes gewesen wäre, die entsprechenden Ausdrückedafür zu bilden und die Terminologie des Sittlichen stattan den sprachlichen Ausgangspunkt der Sitte an den dieseszweiten höheren Ichs anzulehnen. Das ist aber nichtgeschehen, die Sprache kennt nur das Ich, das wir bishergeschildert haben: das natürliche Ich des Egoisten.
Das Ich gilt denn auch der Sprache nicht als dasZwecksubject des Sittlichen. Mit diesem negativen fiesul-tate schliesst unsere Betrachtung des Egoismus ab, und