Druckschrift 
2 (1883)
Entstehung
Seite
74
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74 Kap. IX. Die sociale Mechanik. Das Sittliche.

Abkehr des Willens vom eigenen Ich zum Ausdruck bringt.*)Was hätte näher gelegen, sollte man sagen, als diese Rich-tung positiv als die Richtung auf einen Andern auszu-drücken? Und in der That hat ein neuerer Philosoph(August Gomte) geglaubt, diesem Mangel durch Rildungdes ganz zutreffenden Ausdrucks: Altruismus abhelfenzu müssen. Dass die Sprache, wenn sie gewollt hätte,selber einen entsprechenden Ausdruck hätte schaffenkönnen, ist klar, und einen Ansatz dazu hat sie in derThat gemacht in »Nächstenliebe«, »Menschenfreundlichkeit«.Aber der volle Gegensatz zum Egoismus ist damit nichterschöpft, für ihn kennt die Sprache nur die obigen nega-tiven Rezeichnungen. Wenn sie keinen entsprechendenAusdruck gebildet hat, so kann ich den Grund hierfür nurdarin erblicken, dass sie es nicht gewollt hat, und esbewährt sich für mich bei dieser Gelegenheit wiederumdie oft. gemachte Erfahrung, dass die Sprache in ihremTiefsinn ungleich philosophischer ist als gar manche Philo-sophen von Profession. Mit dem Wort Altruismus stellenwir dem Egoismus ein selbständiges äquivalentes Principdes Handelns gegenüber; wir bezeichnen damit eine Positiondes Willens, auf der er das eigene Ich gänzlich aus denAugen verloren hat, auf der ihm nichts mehr an seinenAusgangspunkt erinnert. Die Sprache dagegen hält auchbei dieser Losreissung des Willens vom Ich die ursprüng-

*) Eine weitere Ausführung über die Bedeutung der negativenAusdrucksform der Gegensätze, s. u. No. 13.