Die Sprache. — Das Sittliche. — Verhällniss zum Egoismus. 73
Ichs. Egoismus ist die Einheit von Selbstbehaup-tung und Selbstbewusstsein,*) er bezeichnet für denWillen dasselbe Phänomen, wie das Selbstbewusstsein fürden Geist, letzteres ist das Ich, das sich denkt, dieser dasIch, das sich will.
Mit dem Ich als dem DeDkeD seiner selbst zieht sichder Mensch auf sich selber zurück und stellt damit dieganze Welt zu sich in Gegensatz. Folgt das Wollen darindem Denken, zieht auch der Wille sich auf das eigene Ichzurück, so erscheint ihm die ganze Welt, soweit er ihrerhabhaft werden kann, nur als Mittel für seine Zwecke —der Egoismus ist die Riesenspinne, die in ihrem Winkelam aufgespannten Netze harrt, der Opfer lauernd, die sichdarin fangen.
Liegt darin, d. h. im Egoismus, das Wesen des Willensbeschlossen?
Die Sprache ertheilt uns darauf Antwort mittelst einerReihe von Ausdrücken, durch die sie die psychologischeMöglichkeit einer dem Ich sich abkehrenden Willensrich-tung anerkennt: Selbstverleugnung, Selbstlosigkeit,Selbstüberwindung, uneigennützig, unegoistisch.Man beachte die negative Form, in der die Sprache die
*) Die lateinische und griechische Sprache hat es zu keinemAusdruck für Egoismus gebracht, der übrigens auch für die mo-dernen Sprachen noch von sehr spätem Datum ist; das Sanskrit hatdafür nach einer Mittheilung, die ich Benfey verdanke, Aham-kara(= Selbst-machen, worin auch das Moment des Selbst-bewusst-seins liegt), sodann Aham-kriti nebst dem Adjectiv Aham-krita(= egoistisch).