Druckschrift 
2 (1883)
Entstehung
Seite
71
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Die Sprache. Das Sittliche. Verhältniss zum Egoismus. 71

des Willens, er vollzieht damit das Grundgesetz derSchöpfung: die Selbstbehauptung.

Die Sprache verwendet zur Bezeichnung dieser Zweck-beziehung drei Worte: Selbst, Eigen, Ego. Von demersten bildet sie: Sebsterhaltung, Selbstbehauptung,Selbstsucht, von dem zweiten Eigennutz, von demdritten Egoismus. Von diesen Ausdrücken gebrauchtsie nur den ersten (Selbsterhaltung bez. Selbsterhaltungs-trieb) gleichmässig vom Thier wie vom Menschen, dieandern nur von letzterem. Es ist offenbar, dass sie dabeieinen Massstab anlegt, der in ihren Augen auf das Thierkeine Anwendung erleidet.

Das Thier kennt keine Selbstsucht. Mit dem Worte:Sucht bezeichnet die Sprache die krankhafte Ausartungeines an sich berechtigten Triebes, mit Selbstsucht alsodie Ausschreitung des auf das eigene Selbst gerichtetenStrebens über das richtige Mass hinaus.

Auch »Eigennutz« und »eigennützig« gebrauchenwir nicht vom Thier. Wenn Schopenhauer*), der dieserichtige Bemerkung macht, sie damit zu begründen ge-denkt, dass Eigennutz in der »durch die Vernunft be-dingten planmässigen Verfolgung des Zweckes« bestehe,so kann ich mich damit nicht einverstanden erklären.»Planmässig« und mit grosser Verschlagenheit kann auchdas Thier verfahren, dazu bedarf es nicht der »Vernunft«,

*) Die Grundlagen der Moral § 14, sämmtliche Werke Bd. 4,S. 196.