70 Kap. IX. Die sociale Mechanik. Das Sittliche.
Empfindet er sie bei einer unsittlichen oder unschick-lichen Handlung, so ist es nicht das Unsittliche oderUnschickliche daran, was er bedauert, sondern das fürihn sich daraus ergebende Unzweckmässige.
Ich glaube im Bisherigen die obige Begriffsbestimmunggerechtfertigt zu haben: das Sittliche hat die Zwecke,das Zweckmässige die Mittel zum Gegenstande, das Sitt-liche schreibt dem Menschen (der Gesellschaft, Menschheit)die Zwecke vor, die er zu den seinigen zu machen hat,die Ethik ist die Lehre von den Zwecken, die Politik dievon den Mitteln, letztere hat die Zwecke von jener zuentnehmen. Dass dies nicht bloss von der Privatpolitik,sondern auch von der öffentlichen: der Staatspolitik gilt,wird seiner Zeit gezeigt werden.
Welcher Art sind nun die Zwecke, welche das Sitt-liche dem Menschen vorzeichnet? Darauf sollen uns diefolgenden Ausführungen Antwort ertheilen.
12. Die Aussagen der Sprache. — Gonfrontationdes Sittlichen mit dem Egoismus.
Die folgende Ausführung soll uns darüber Auskunftgeben, ob die Sprache den Zweck des Sittlichen in daseigene Ich des Handelnden verlegt, oder, in meiner Ter-minologie ausgedrückt: ob der Handelnde selber Zweck-subject des Sittlichen ist.
Die Richtung auf das eigene Selbst ist die durch dieNatur selbst vorgeschriebene erste und normale Function