64 Kap. IX. Die sociale Mechanik. Das Sittliche.
beiden Massstäben, welche das Substantielle des Han-delns betreffen, gibt es noch einen dritten, welcher dieForm zum Gegenstande hat, es ist der ästhetische, den,wie wir oben (S. 33) gesehen haben, die Sprache ebenfallsauf das Handeln zur Anwendung bringt.
Die obige Abgrenzung des Zweckmässigen gegenüberdem Sittlichen lässt sich in doppelter Weise bemängeln.Beide Begriffe scheinen dabei verkürzt zu sein. Zunächstdas Zweckmässige. Wir bezeichnen doch nicht blossdie Wahl ungeeigneter Mittel, sondern auch das Setzenverkehrter Zwecke als unzweckmässig. Der Einwand er-ledigt sich durch die Relativität des Zweckbegriffs. DerZweck b, zu dem a das Mittel enthält, kann seinerseitswiederum nur ein Mittel für den Zweck c sein (a = Arbeit,b = Vermögen, c = Genuss), der Zweck richtet vor demMenschen eine Leiter auf, auf der jede Sprosse zu dervorhergehenden im Verhältnisse des Zwecks, dagegen zuder nächst höheren im Verhältnisse des Mittels steht. DieBeurtheilung unter dem Gesichtspunkte des Zweckmässigenkann sich lediglich an das Verhältniss von a und b halten,sie kann aber auch das dem Handelnden selber vielleichtentgehende Verhältniss von b zu c ins Auge fassen; indem Falle bezeichnet sie das Setzen von b als unzweck-mässig, bemängelt also scheinbar den Zweck, in Wirklich-keit aber das Mittel (b im Verhältniss zu c). Gegen diesittliche Würdigung sowohl des Zwecks wie des Mittelsverhält sie sich vollkommen indifferent; der Brandstifter,