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2 (1883)
Entstehung
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58
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58 Kap. IX. Die sociale Mechanik. Das Sittliche.

auch die sprachliche Umgebung jenes Wortes in den Kreisder Untersuchung. Wie der Richter bei seinem Verhörnicht bloss den Angeschuldigten vernimmt, sondern alleZeugen, deren er habhaft werden kann, so werden auchwir die sprachlichen Zeugen, so zu sagen: die begrifflichenNachbarn vorfordern, um von ihnen über die Grenzen,die ihr Gebiet von dem streitigen des Sittlichen scheiden,Auskunft zu erhalten. Es sind das Sittliche, das Zweck-mässige und der Egoismus.

Indem wir zuerst den Sprachschatz für das Sittlicheselber untersuchen, constatiren wir zunächst die über-raschende Enthaltsamkeit, welche die Sprache in dieserBeziehung beobachtet. Während sie für die Sitte, wie obennachgewiesen, eine Menge von sprachlich verschiedenenAusdrücken und Wendungen zu Tage gefördert hat, ent-lehnt sie ihren gesammten Wortschatz für das Sittliche:sittlich, unsittlich, Sittlichkeit, Unsittlichkeit,Sittengeselz, Sittlichkeitsgefühl dem einen Wort:Sitte, und selbst bei den der lateinischen und griechi-schen Sprache entlehnten Ausdrücken: moralisch,*) Moral(mos, mores), ethisch und Ethik behält sie diese Anleh-nung an die Sitte bei.

Dieselben sind nicht völlig synonym, die Sprache be-obachtet zwischen ihnen vielmehr folgenden Unterschied.Bei »ethisch« hat sie die Theorie des Sittlichen (Ethik)

*) Das lateinische, dem griechischen -?]Shx6s nachgebildete mora-lis stammt von Cicero, wie er selber (de fato c. 1) bemerkt.