56 Kap. IX. Die sociale Mechanik. Das Sittliche.
Brauch, Uebung, Gewohnheit diesem Einen Platz gemachthaben.
Ich fasse den Inhalt dieser sprachgeschichtlichen Aus-führung übersichtlich zusammen, indem ich damit dasjenigeverbinde, was die vorigen Nummern uns für die Unter-scheidung der verschiedenen Sphären der gesellschaftlichenOrdnung abgeworfen haben.
1. Die thatsächliche Ordnung des Volkslebens, die Gewohnheit.
2. Unterscheidung des verbindlichen und des nicht verbindlichenTheils derselben als Gewohnheit und alle Seiten der sittlichenOrdnung umfassende Sitte (orar), Mischpat, dhärma).
3. Ausscheidung des Rechts in seiner vollsten Selbständigkeit durchdie- Römer.
Das Recht. Gegensatz: mos, mores
a) Das fas. (Sitte und Moral — beide noch eins).
b) Das jus.
4. Scheidung der Sitte vom Sittlichen durch die Germanen.
Das Recht. Das Sittliche im en- Die Sitte (sittsam,
(rechtmässig, unrecht- geren Sinne, die Moral, ehrbar, anständig,
massig, rechtswidrig), (sittlich, unsittlich, mo- schicklich, passend,
Gewohnheitsrecht. ralisch, unmoralisch. ziemlich u. s. w.
5. Entsprechende Unterscheidung der subjectiven Immanenz dieserdrei Seiten (Gefühl).
Das Rechtsgefühl. Das Sittlichkeits- Das Schicklich-gefühl, keits- oder An-standsgefühl.
6. Besondere Hervorhebung der praktischen Function desselben.Der juristische Das Gewissen. Der sociale Takt.
Takt.
Zu den drei gesellschaftlichen Imperativen, mit denendiese Tabelle schliesst: Sitte, Moral, Recht, hat die moderneWelt noch einen vierten hinzugefügt, den wir hier zu-nächst noch übergangen haben, da er an dieser Stelle