Druckschrift 
2 (1883)
Entstehung
Seite
54
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54 Kap. IX. Die sociale Mechanik. Das Sittliche.

Seiten des Sittlichen zur Einheit des Begriffs zusammen-fasste, ein fossiles Stück aus der Urzeit.

Unsere deutsche Sprache hat das letzte noch fehlendeGlied aus der Gemeinschaft ausgelöst und dasselbe, wieoben nachgewiesen, mit einer Klarheit und Bestimmtheitausgeprägt, die jede Verwechslung ausschliesst. Die Sitteist hier zum ersten Male sprachlich nicht bloss abgehobenvom Sittlichen, sondern iu ihrer Eigenart aufs schärfsteindividualisirt und charakterisirt, die Sprache hat für sieeinen Beichthum von Wendungen, ich möchte sagen eineFülle von Farben aufgeboten, um ihr Bild auszumalen,gegen welche die Armuth der Mittel, welche sie für ihrebeiden Schwestern aufwendet, schroff absticht. Die Sitteist das Schosskind der deutschen Sprache.

Der Sprachschatz des Bechts im Deutschen ist einäusserst geringer, er fällt zusammen mit dem Worte Bechtund seinen Derivativen. Der der Sittlichkeit ist schon einetwas erheblicherer, wir werden ihn sofort kennen lernen.Aber der Löwenantheil fällt der Sitte zu. Sie stand demVolk, als es die Sprache bildete, offenbar am nächsten,es ist der warme, volle Pulsschlag des lebendigen Volks-gefühls, der in diesem Stück der Sprache pulsirt, währendderselbe immer schwächer wird, je weiter wir uns vondemjenigen, was das Volk selber geschaffen, entfernenund uns demjenigen nähern, was nicht das Volk mehrmacht, sondern der Staat: das Becht. Wo die Wissen-schaft beginnt, hört der reiche Strom der Sprache zu