52 Kap. IX. Die sociale Mechanik. Das Sittliche.
menschliche (ftsfxi? und vd|Aoc). Sondern was den Ausschlaggibt, besteht darin, dass sie jenen unbestimmten allge-meinen Begriff von 8na) dauernd beibehalten haben, unddass sie ihn selbst zur Bezeichnung dessen, was dem Ge-setze gemäss ist (x6 Si'xaiov) oder ihm widerspricht (tö aotxov),nicht entbehren können.
Die Unbestimmtheit der griechischen ethischen Auf-fassung steigert sich noch dadurch, dass der Grieche mitdem ethischen Gesichtspunkt, wie oben (S. 33) bereitsbemerkt ward, auch den ästhetischen verbindet. DasGute (a-j-aöov) ist zugleich das Schöne (--taXov). Das be-kannte Musterbild der Griechen: der y.odo'/a-faöo? fasstbeides zur Einheit zusammen, und so lässt sich behaupten,dass das Sittliche auf griechischem Boden weder seineSpaltung in sich, noch auch seine Scheidung vom Aesthe-tischen vollzogen hat.
Dass jene mangelnde Unterscheidung der verschie-denen Seiten des Sittlichen nicht etwas national Griechi-sches ist, was bei dem philosophisch so eminent beanlagtengriechischen Volk am wenigsten zu glauben wäre, sonderndass sie nur ein der niederen Entwicklungsstufe ange-höriger Zug ist, ergibt der Vergleich mit andern Völkern,z. B. dem jüdischen. Wie das griechische oo«), so be-zeichnet auch das hebräische Mischpat gleichmässig Becht,Sitte, Sittlichkeit, nur dass Mischpat nicht den Willen desVolkes, sondern Gottes hinter sich hat. Alles ist Mischpat:das Bitualgesetz sowohl, welches unserer »Sitte« entspricht,