Druckschrift 
2 (1883)
Entstehung
Seite
50
Einzelbild herunterladen
 

50 Kap. IX. Die sociale Mechanik. Das Sittliche.

jective der Kirche als Rückhalt in Aussicht stellt und derkirchlichen Doctrin den Anlass geboten hat, die Theoriedes Sittlichen nicht ausschliesslich unter dem rein wissen-schaftlichen Gesichtspunkte der Ethik, sondern zugleichunter dem praktischen der Moralcasuistik zu behandeln.Letztere verhält sich zu jener wie die Jurisprudenz zurRechtsphilosophie, ihr Zweck ist der der Anwendung aufdie concreten Verhältnisse des Lebens, es ist das Redürf-niss eines forum internum, dem sie ganz so Abhülfe zugewähren sucht, wie die Jurisprudenz dem des externum.

9. Die Sitte Fortschritt des sprachlichenDenkens seit dem Alterthum.

Ich komme zur Sitte noch einmal zurück. Nicht, weilich in Rezug auf den Punkt, der uns bei dieser reinsprachlichen Untersuchung allein interessirt: ihre scharfesprachliche Unterscheidung vom Sittlichen, noch etwasnachzutragen hätte, ich habe das Material, das ich zu die-sem Zweck aufzubieten vermochte, erschöpft, und ichglaube, dass es vollkommen ausgereicht haben wird, umdiesen Punkt über allen Zweifel zu erheben. Was ichhier noch zu thun gedenke, besteht vielmehr darin, denWerth desselben ins richtige Licht zu setzen und demLeser die Ueberzeugung zu verschaffen, dass er darin eineLeistung der deutschen Sprache vor sich hat, welcheeinen werthvollen Fortschritt und eine dauernde Re-reicherung der Ethik enthält. Ein Vergleich mit den