Druckschrift 
2 (1883)
Entstehung
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46
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46 Kap. IX. Die sociale Mechanik. Das Sittliche.

ist nicht die blosse mechanische Anwendung der Regeln,die schab! onenmässige Befolgung derselben, zu der es nurder Abrichtung, des äusseren Schliffs bedarf, sondern Taktist die Bewährung ihrer verständnisvollen Aneignung durchErgänzung, Fortbildung derselben in Fällen, wo sie ihn irnStiche lassen, der Jurist würde sagen: durch analoge Aus-dehnung. Takt ist Divination in Dingen des Anstands,praktisches Empfindungsvermögen, der Treffer des Gefühls,wie ich mich ausdrückte. Es ist also nicht die praktischeFunktion des Schicklichkeitsgefühls als solche gewesen,welche die Sprache sich gedrungen fühlte besonders her-vorzuheben, als sie den Ausdruck Takt schuf, sondern dieangegebene Steigerung desselben, sie documentirte damitdasselbe Versländniss für die Eigenartigkeit dieser Er-scheinung, wie die Jurisprudenz, als sie den Begriff deranalogen Anwendung schuf. Liessen die Begeln des An-standes und des Rechts sich so erschöpfend aufstellen, dasssie für alle Fälle ausreichten, so würden beide Begriffeauf diesen Gebieten keinen Baum gefunden haben, sie ver-danken ihre Existenz lediglich der Unzulänglichkeit derRegeln und der damit gegebenen Nothwendigkeit ihrer ver-ständnisvollen Ergänzung durch das Subject.

Ganz dasselbe gilt für den Geschmack in Bezug aufdas Schöne. Auch hier ist es wiederum nicht die blossepraktische Bethätigung des Schönheitsgefühls, welche dieSprache mit diesem Wort ausdrücken will, sondern dasVermögen desselben zur eigenen, selbständigen Erfindung.