Die Sprache. — Die Sitte: Takt. 45
8. Steigerung des Schicklichkeitsgefühlszum Takt.
Das Wort Takt weist uns etymologisch auf das Gefühlzurück, es ist das lateinische tactus (von tangere = füh-len, berühren, treffen). Aber im Deutschen verbindenwir damit eine Nebenbedeutung, die in dem lateinischenWorte nicht liegt (die Römer bedienen sich dafür derWendung: rem acu längere = den Nagel auf den Kopftreffen), nämlich die einer Steigerung desselben: desfein entwickelten Gefühls oder Tastsinns (des »Fühlers«).Takt ist die Sicherheit des Gefühls, welches in schwierigenLagen das Richtige trifft, wir können kurz sagen: dersichere Treffer des Gefühls. Diese Redeutung hat dasWort auch im musikalischen Sinn, es bezeichnet hier dieSicherheit des Gefühls für das musikalische Zeitmass, denRhythmus. Der letztere Sinn ist der ursprüngliche, derobjective (Takt = Taktart) ist der abgeleitete, übertragene,was ich nur darum bemerke, um den verlockenden Ge-danken, als ob der Sprache bei der Rildung des WortesTakt im socialen Sinne die Vorstellung des musikalischenRhythmus vorgeschwebt habe, fern zu halten.
Die Steigerung des Gefühls für das Schickliche, wel-ches der Regriff Takt in sich begreift, bewährt sich anden zweifelhaften Fällen, an den kritischen Lagen, indenen er, verlassen von den Regeln, die ihm an die Handgegeben sind, selbständig das Richtige d. h. das ihremSinn und ihrer Restimmung Gemässe zu treffen hat. Takt