Die Sprache. — Die Sitte: Takt, 43
unten vielleicht im Stande sein werden die Erklärung zufinden.
Dieselbe Erscheinung, welche wir für das Gebiet derSitte im Takt, für das des Sittlichen im Gewissen nach-gewiesen haben, wiederholt sich auf dem des Schönen imGeschmack. Der Geschmack verhält sich zum Schönheits-gefühl, wie der Takt zum Schicklichkeits-, das Gewissenzum Sittlichkeitsgefühl, d. h. er hat ausschliesslich diepraktische Function des Schönheitsgefühls zum Inhalt imGegensatz der kritischen, d. h. die Bethätigung desselbeniu der eigenen Gestaltung des Schönen. Das Unschöne, daswir bei Andern wahrnehmen, verletzt nicht unsern Ge-schmack, sowenig wie das Unschickliche unsern Takt oderdas Unsittliche unser Gewissen, sondern das erste verletztunser Schönheits-, das zweite unser Schicklichkeits-, dasdritte unser Sittlichkeitsgefühl — Geschmack, Takt, Gewissenbewähren sich im Handeln, nicht im Urtheilen.
Zum vierten Male wiederholt sich die Erscheinung aufdem Gebiete des Rechts in Gestalt des juristischenTakts. Unter letzterem verstehen wir den Treffer desjuristischen Gefühls in der Entscheidung schwieriger Rechts-fragen, also die praktische Funktion des geläuterten Rechts-gefühls des Juristen. Eine verkehrte Entscheidung verletztnicht den Takt des Juristen, sondern sein Rechtsgefühl, fürdie kritische Function des letzteren bedienen wir uns diesesAusdrucks, nicht des Ausdrucks Takt. Wir haben damitfolgendes Schema gewonnen: