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2 (1883)
Entstehung
Seite
36
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36 Kap. IX. Die sociale Mechanik. Das Sittliche.

liehen Benehmen. Mit dem letzteren Worte bringt er nurAdjectiva in Verbindung, bei denen man die Sitte als Mass-stab anlegt, wie z. B. anständig, passend, schicklich, takt-voll, gewandt u. s. w. und die entsprechenden Negationen:unanständig, unpassend u. s. w. Der Eindruck, den dasGegentheil des zu beobachtenden Benehmens hervorruft,wird mit dem Wort: »Anstoss, Verstoss« bezeichnet, daswiederum niemals für das Sittliche gebraucht wird, während»Aergerniss« bereits auf letzteres zielt.

Mit dem Ausdruck »Wesen« hat es eine eigenthüm-liche Bewandtniss, er vereiuigt zwei gerade entgegengesetzteBedeutungen in sich. Die eine versetzt uns ins Innere undInnerste der Dinge. Im Gegensatz zum äusseren Schein,an dem der Blick des minder Geübten haften bleibt, kehrtdiese Bedeutung die innere Substanz, die Seele des Dingeshervor. In diesem Sinne sprechen wir vom Wesen derDinge, der menschlichen Freiheit, des Rechts u. s. w., essind die höchsten Probleme der Philosophie, die mit demWorte Wesen namhaft gemacht werden. Die andere da-gegen hält sich ausschliesslich an die äussere Erscheinung,und zwar die des Menschen, aber nicht des Menschen inabstracto, sondern eines ganz bestimmten Individuums.In diesem Sinne sprechen wir von einem lieblichen, an-muthigen, herrischen, scheuen, eckigen, linkischen Wesen.Den Gegensatz zu Wesen in diesem Sinne bildet der Cha-rakter; wie jenes uns das Aeussere, so zeichnet dieseruns das Innere des Menschen.