Druckschrift 
2 (1883)
Entstehung
Seite
30
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30 Kap. IX. Die sociale Mechanik. Das Sittliche.

dem Aeusseren und dem Innern oder der Form und demInhalt des Handelns. Es ist derselbe Gegensatz in Bezugauf das Handeln, wie er in Bezug auf das Sprechen zwischendem grammatikalisch richtigen Ausdruck der Gedanken unddem richtigen Gedankeninhalt besteht; die Sitte bedeutetfür das Handeln dasselbe, was die Grammatik für dasSprechen: die correcte Form.

Es ist überraschend, mit welcher Klarheit und Sicher-heit die Sprache diesen Gesichtspunkt der Form des Han-delns erfasst und durchgeführt hat, und es hat für micheinen hohen Reiz gehabt, ihr dabei zu folgen, ich bin vonneuem erstaunt gewesen über den feinen Tastsinn, den sieauch hier wiederum bewährt.

Unter den Wendungen, deren sie sich bedient, nimmtdie erste Bolle ein die Form. Wie sie von Sprachfor-men spricht, so auch von Umgangsformen oder von For-men schlechthin. Ein Mann »von Formen« (auch in denromanischen Sprachen, z. B. im Spanischen hombre deformas) ist derjenige, welcher sein äusseres Benehmen imVerkehr so einrichtet, wie die Sitte es ihm vorschreibt,ein Mann »ohne Formen«, welcher sich darüber hin-wegsetzt oder sie nicht kennt, wie der Mann der unternGesellschaftsschichten, dessen Benehmen zeigt, dass ernicht von Geschlecht (daher »ungeschlacht«, ähnlich »un-gentil« von gens), nicht »von Familie« ist, denn die guteForm ist das Werk des bei dieser Wendung im Sinne vongut gemeinten Geschlechts, der Familie. Form schlechthin