Druckschrift 
2 (1883)
Entstehung
Seite
29
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Die Sprache. Unterscheidung der Sitte vom Sittlichen. 29

schied, das Richtige getroffen, werden wir seiner Zeiterfahren, wenn wir das Zweckmoment des Sittlichen zumGegenstand unserer Untersuchung machen, an der gegen-wärtigen Stelle haben wir das Material, welches die Spracheuns bietet, keiner Kritik zu unterwerfen, sondern zugewinnen.

Der Gedanke, welcher der Sprache zu Grunde liegt,ist: auch die Sitte verpflichtet, aber in anderer Weise alsdie Moral. Für die Verpflichtungen, welche letztere auf-erlegt, bedient sie sich der Ausdrücke: sittlich, moralisch,für die Verpflichtungen der Sitte hat sie eine Reihe andererAusdrücke, die wir hier zusammenstellen.

Zunächst den der Sitte selber. Niemand sagt vondemjenigen, der lieblos gegen die Seinigen, hartherziggegen die Armen ist: er Verstösse gegen die Sitte, nochumgekehrt von demjenigen, der die Sitte übertritt, z. B.die üblichen Umgangsformen ausser Acht lässt, er handeleunmoralisch, unsittlich. In beiden Fällen setzt er sichüber Gebote hinweg, die er als für sich verbindlich an-erkennen sollte, aber die Gebote sind wesentlich verschie-dener Art, An der gegenwärtigen Stelle, wo wir nochnicht in der Lage sind, die innere Wesensverschiedenheitbeider zu entwickeln, was nur mit Zuhülfenahme desZweckmoments geschehen kann, mag zur vorläufigen Ver-anschaulichung des Gegensatzes ein Gesichtspunkt genügen,den, wie ich glaube nachweisen zu können, die Spracheselber dabei vor Augen hat, es ist der Gegensatz zwischen