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2 (1883)
Entstehung
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15
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Die Autorität der Sprache in Dingen des Sittlichen. 15

4. Die Autorität der Sprache in Dingen desSittlichen.

Der hohe Werth, der bei einer auf Feststellung desBegriffs und Ermittelung des Wesens des Sittlichen gerich-teten Untersuchung dem Sprachgebrauche zukommt, bedarfwohl nicht erst des Nachweises. Bei dem Sittlichen handeltes sich nicht um wissenschaftliche, der Erkenntniss unddem Urtheil des Volks fern liegende Probleme, sondern umpsychologische Erfahrungstatsachen, die Jeder unausgesetztan sich selber täglich erlebt, und über die Jeder in derLage ist, sich sein Urtheil zu bilden. Es gibt keinen Men-schen, der nicht die Begungen des Mitleides von denendes Hasses zu unterscheiden vermöchte, und der sich nichtbewusst wäre, dass der Act der Selbstverleugnung, dener vornimmt, wenn er, um ein Menschenleben zu retten,ins Feuer oder Wasser springt, einen andern Werth bean-spruchen darf, als wenn er eine Dienstleistung vornimmt,für die er bezahlt wird.

Die Besultate dieser durch Milliarden von Menschenbekundeten inneren Erfahrung sind in der Sprache nieder-gelegt. Der Sprachgebrauch, der diesen Schatz in sich birgt,und der an jedem Einzelnen, der sich der ihm von derSprache zur Verfügung gestellten Ausdrücke bedient, jedenMoment seine Probe zu bestehen und sich darüber auszu-weisen hat, ob die Ausprägung des Gefühls von Seiten derSprache der eigenen Empfindung entspricht, dieser Sprach-