14 Kap. IX. Die sociale Mechanik. Das Sittliche.
bringt und dem System des gesellschaftlichen Lebens die-jenige Vollendung verleiht, die sie als »sittliche Weltord-nung« bezeichnet.
Was ist das Sittliche? In dieser Frage steckt nahe-zu die halbe Philosophie, und seit Jahrtausenden müht siesich ab, sie zu beantworten. Ich würde viel darum ge-geben haben, wenn ich ihr bei meinen Untersuchungenhätte aus dem Wege gehen oder mich bei der von Anderenertheilten Antwort hätte beruhigen können. Beides warmir nicht möglich, und so habe ich mich genöthigt gesehen,selbständig den Versuch zu ihrer Lösung zu unternehmen.Ich habe dabei einen andern Weg eingeschlagen, als dendie bisherige Ethik zu gehen gewohnt ist. Während letzterenämlich das Problem von vornherein der Wissenschaft zu-weist, habe ich es für zweckmässig erachtet, mich zunächstan die Sprache zu halten und ihr die Frage vorzulegen,was sie sich bei dem Sittlichen denkt. Und ich habe esnicht bereut; sie hat mir auch hier wiederum, wie so oft,werthvollere Aufschlüsse gewährt, als ich von vornhereinerwartet hätte, wichtige Fingerweise, welche die Ethik wohlgethan hätte zu beherzigen, und welche ihr manche Irrun-gen hätte ersparen können
Möge der Leser sich die Mühe, mir bei diesen sprach-lichen Untersuchungen zu folgen, nicht verdriessen lassen.Nachdem die Sprache uns mitgetheilt hat, was sie überdas Sittliche auszusagen vermag, soll die Wissenschaft dasWort erhalten.