8 Kap. IX. Die sociale Mechanik. Das Sittliche.
Arbeitsfrage hängt nicht allein am technischen and öko-nomischen Moment, sondern ganz wesentlich auch amethischen. Der richtige Arbeiter, wie die Gesellschaft ihnbraucht (ich verstehe darunter nicht bloss den Handwerker,sondern Jeden, der um Lohn seine Dienste erweist, alsoauch den Staats- und Kirchendiener, Gelehrten, Künstler),ist nicht der bloss geschickte, kenntnissreiche, kundige,sondern der zugleich gewissenhafte, pflichttreue. Gewissen-haftigkeit, Ehrlichkeit und Ehrgefühl sind die unentbehr-lichen Begleiter der Geschicklichkeit, sie müssen dieselbeunausgesetzt bewachen, stacheln, spornen; sind sie vor-handen, so stellt letztere von selber sich ein. nicht aberumgekehrt. Darum haben sie neben ihrem ethischen zu-gleich einen eminent ökonomischen Werth, ihr Mangel be-ziffert sich für den Verkehr eines Volks, sowohl den internenals ganz besonders den auswärtigen, für seinen Antheilam Weltverkehr, nach Millionen — — unsere deutscheIndustrie und unser Handel wissen davon traurige Dingezu berichten!
Dieselbe Erfahrung, welche wir in Bezug auf denLohn gemacht haben, wiederholt sich auch beim Zwange.Auch er ist für sich allein nicht im Stande, die ihm imRecht zugewiesene Aufgabe zu vollbringen. Ohne Hinzu-kommen der sittlichen Gesinnung ist die ganze Rechtsord-nung eine höchst unvollkommene, unsichere. Lediglich aufden Zwang d. h. auf das egoistische Motiv der Furcht ge-baut, steht und fällt sie mit ihm, sie ist dann nichts als