Druckschrift 
2 (1883)
Entstehung
Seite
7
Einzelbild herunterladen
 

Unzulänglichkeit von Lohn und Zwang. 7

So erweist sich also der Lohn als Triebfeder des Ver-kehrs in der doppelten Richtung als unzulänglich, sowohlwas die Befriedigung der Bedürfnisse auf der einen, alsdie Heranziehung der vorhandenen Kräfte für diesen Zweckauf der anderen Seite anbetrifft. Geböte der sociale Kör-per über keine anderen Mittel, um diesem Uebelstand ab-zuhelfen, sein Zustand würde der einer mangelhaften Blut-circulation sein: Blutleere an diesem, Blutüberfüllung anjenem Punkt.

Aber selbst von diesen exceptionellen Verhältnissenabgesehen, also vorausgesetzt, dass der Lohn nach beidenSeiten hin seine normale Function vollständig ausübt, soreicht doch er allein in keiner Weise aus, die gesellschaft-liche Aufgabe, die ihm zugewiesen ist, erschöpfend zu lösen.Ein Arbeiter, der nur um des Lohnes willen arbeitet, dernicht seine Ehre darein setzt, gut zu arbeiten, arbeitetschlecht, wenn er gewiss ist, darunter nicht zu leiden. DieGarantie für gute Arbeit, welche der Lohn gewährt, reichtnicht weiter als der Egoismus; wo letzterer nicht dabeibetheiligt ist (Furcht vor Nichtabnahme des bestellten Ar-beitsproducts, Kürzung des Lohns, Schädigung des Rufesund damit des Absatzes), muss die Arbeit nothwendiger-weise schlecht ausfallen, die Gesellschaft aber hat dasgrösste Interesse daran, gute Arbeit zu erhalten.

So postulirt also der Lohn zu seiner Ergänzung nochein anderes Motiv, das über ihn hinausragt, es ist dassittliche des Pflicht- und Ehrgefühls des Arbeiters. Die