Druckschrift 
2 (1883)
Entstehung
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6 Kap. IX. Die sociale Mechanik. Das Sittliche.

Sicherheit der Lohn nun auch diese Aufgabe in weitesterAusdehnung vollzieht, so haftet doch gleichwohl dem ganzenLohnsystem (dem Verkehr) ein Mangel an, der mit ihmunabwendlich gesetzt ist. Die sociale Wirksamkeit desLohnes im einzelnen Fall ist nämlich bedingt durch zweiVoraussetzungen, die erste: dass derjenige, welcher seinBedürfniss durch die Leistung eines Andern zu befriedigengedenkt, im Stande ist, dafür den entsprechenden Lohn zubieten, die andere: dass der Gegenpart geneigt ist, denLohn anzunehmen d. i. sich dadurch zur Gegenleistungbestimmen zu lassen. Wo es an einer dieser Voraus-setzungen gebricht, versagt der Lohn seine Dienste. Ander ersten fehlt es beim Armen, der den Lohn nicht hat,an der zweiten beim Reichen, den er nicht lockt. BeidePersonen, beziehungsweise die Klassen der Gesellschaft,für welche dies zutrifft, stehen mithin insofern ausser demVerkehr, auf sie kann er nicht rechnen. Gäbe es nunkeine andern gesellschaftlichen Triebfedern ausser demLohne, so müssten die Armen und Arbeitsunfähigen ver-hungern, und die Reichen würden die Hände in den Schosslegen und lediglich das Kapital für sich arbeiten lassen,ihre Arbeitskraft und ihr Talent würde der Welt verlorengehen, die Gesellschaft würde damit eine erhebliche Ein-busse erleiden. Die Erfahrung aber zeigt, dass einerseitsauch das Talent und die Intelligenz der Reichen derMenschheit zum Nutzen gereicht, und dass andererseits dieArmen nicht verhungern.