XXVI Vorrede.
tag in Wien führte mich 1862 auch in das GlaserscheHaus, die Pforten waren weit geöffnet, und als ich vierJahre später nach "Wien gerufen wurde, ward diesesHaus mir fast wie das eigene. Es war eine Stätte desgrössten häuslichen Glücks. Glaser stand eine Frau zurSeite, deren ganzes Leben und Sein, Sinnen und Denkenin dem Manne aufging, eine Wicderspiegelung seinerselbst, gleich ihm die Verkörperung des Wohlwollensund der Herzensgute, unablässig bemüht Andern zu hel-fen und zu dienen, gleich ihm schlicht, einfach, natürlich,heiter, offen, wahr, wie es nur wahrhaft edle und guteNaturen sein können. Was verdanke ick diesen beidenMenschen! Meine Erinnerung an Wien ist für immer mitdem Gedanken an das Glasersche Haus verknüpft unddieser wiederum mit dem Gefühle der grössten Dankes-schuld.
Das war mir der Freund! Ich konnte ihn nichtzeichnen, ohne in ihm bereits den Menschen zu schildern.Glaser gehörte zu den seltenen Naturen, die man nichtkennen lernen kann, ohne sie lieb zu gewinnen. Eineherzgewinnende Freundlichkeit, eine sonnige Heiterkeit,erquickend wie ein lachender Frühlingsmorgen, ein Auge,offen in die Welt blickend, klar, durchsichtig wie daskrystallhelle Wasser in einem Alpensee, ein hellerSpiegel gleichmässig der Reinheit der Seele, wie derKlarheit des Geistes, nie getrübt durch das Auflodernder Leidenschaft, aber nicht selten leuchtend im Glänzegutmüthigster, fast kindlicher Schalkhaftigkeit — daswaren die Eigenschaften des äusseren Menschen, die Jedembeim ersten Anblick entgegentraten, und die ihm sofortdas Vertrauen gewannen und das Herz erschlossen. Sein