Druckschrift 
Streifzüge im Kaukasus, in Persien und in der asiatischen Türkei
Entstehung
Seite
478
Einzelbild herunterladen
 

478 Transportmittel.

schicken, beispielsweise seine Morgentoilette am Bache vorden Augen der gesammten, andächtig zuschauenden Dorf-bevölkerung zu verrichten. Zieht dagegen der Reisende diefrische Luft den engen und staubigen Dörfern vor, so hater nur sein Zelt aufzuschlagen, wo es ihm beliebt; ein solcheskann er sich aus Europa (England) mitbringen, oder auchim Lande kaufen; wir führten ein früheres russisches Offi-zierzelt von Tiflis aus mit uns, dessen doppelte Wände (Lein-wand und Filz) selbst gegen die strenge Nachtkälte in derarabischen Wüste wirksamen Schutz boten, es hatte reichlichPlatz für 4 Personen, war aber auch mit seinen acht Stangenund seinem grossen Tuch zwei volle Pferdelasten schwer.Dass der Reisende die nöthigen Teppiche stets bei sich führt,gilt im Orient als ganz selbstverständlich.

Das einzige Transportmittel für den Reisenden ist dasPferd. Das Kameel wird als Reitthier nur in der Wüstebenutzt, wo das Pferd kein Futter finden würde, sonst istes lediglich Lastthier; zum Tragen des Gepäcks werden viel-fach Maulthiere verwandt, welche ausserordentlich kräftig-und aiisdauernd sind. Will der Reisende schnell fortkommen,so kann er auf den unten genannten Routen sich als Courierder Postpferde bedienen, muss jedoch bis auf etwa zweileichte Churdshins alles Gepäck fortlassen; diese Art zureisen ist also nur für forcirte Touren oder dann möglich,wenn es gilt einen Ort schnell zu erreichen, wohin das Ge-päck alsdann per Karavane nachfolgt. Die Posthäuser(Tschaparchaneh) befinden sich in Entfernungen von 3 bis 4Meilen, und die Pferde, meist schlecht aussehende Klepper,sind gewohnt die ganze Strecke im Galopp zurückzulegen;ein vom Postmeister als Begleiter mitgegebener Knecht bringtdie Pferde alsdann zurück, und kann der Reisende bis zu20 deutschen Meilen auf diese Weise an einem Tage zurück-legen. Der Preis beträgt pro Pferd und Farsak in Persien1 Qran, in der Türkei etwa das gleiche; für das Pferd desBegleiters ist ebenfalls zu zahlen. Langsam, aber billigkommt man fort, wenn man sich einer Karavane anschliesst;der Reisende wird aber meist vorziehen einen Tscherwadar