_Die Zeiten, wo Poti noch aus einem Sumpf mit einigenHütten auf Pfählen bestand, ist noch nicht so lange her;vor zehn Jahren fuhr man bei Regenwetter noch lustig imKahne von einem Haus zum andern, und wenn auch jetztdie Strassen aufgefüllt und theilweise sogar mit einer Artvon Chaussirung versehen sind, so hört man unter den Häu-sern, zwischen dem Pfahlrost und dem Parterre, Abendsnoch vergnügte Frösche quaken — es ist den Thieren nichtzu verdenken, denn ein solches Paradies für Amphibien giebtes auf Erden vielleicht nicht wieder. Poti verdankt, wenn auchnicht sein Dasein, so doch seine gegenwärtige Blüthe einemSchreibfehler; als nämlich im Frieden zu Adrianopel die Türkeieinen Landstrich zwischen Kars und dem Meere an Russlandabtrat, sollte, wie allgemein versichert wird, die Grenze längsdes Flusses Tschoroch laufen, was den guten Hafen Batumauf die russische Seite gebracht haben würde, nach der Ra-tification der Friedensinstrumente fand sich aber, dass derFluss Tscholoch, etwa vier deutsche Meilen diesseits jeneslaufend, in den Vertrag als Grenze aufgenommen war; Batumwar verloren und man musste sich mit Poti behelfen. Genaugenommen, ist es unrichtig, wenn der Hafen von Poti schlechtbefunden wird, denn ein solcher ist gar nicht vorhanden, esexistirt lediglich eine ganz offene und dazu sehr seichte Rhede,so dass einigermassen grössere Schiffe auf bedeutende Distanzvon dem Ufer ankern müssen; die Einfahrt in den Rion,welcher selbst nur für ganz flache Boote schiffbar ist, wird
v. Tliielmann, Reise. 4