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Der Sanitätsdienst bei den deutschen Heeren im Kriege gegen Frankreich 1870/71
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Anleitung zum Desinfektionsverfahren.

Beilagen zu Band I,

Beilage 44.

Anleitung zum Desinfektionsverfahren.

Von den zur Desinfektion gebräuchlichen und empfohlenenMitteln sind folgende in Anwendung zu bringen:

1) Uebermangansaures Kali oder Natron,

2) Karbolsäure,

3) Chlorkalk,

4) Eisenvitriol, Zinkvitriol, Chlorzink,

5) Schwefel,

6) Kohle,

von denen ein Theil nur durch unmittelbare Berührung, einanderer durch Verflüchtigung wirkt.

1) Zur Desinfektion von Wunden ist vorzugsweise eineLösung von übermangansaurem Kali oder Natron, oder eineLösung der Karbolsäure anzuwenden, die hierzu jedoch vonbesonderer Reinheit sein muss.

2) Zur Desinfektion von Exkrementen empfiehlt sich dasEisenvitriol (in Lösung von 1 : 3040) oder die Karbolsäure,besonders in der von den chemischen Fabriken dargestelltenForm eines mit derselben imprägnirten indifferenten Pulvers,das aufgestreut oder in Lösung angewendet wird. 1 )

An Orten, wo die Bestandtheile der Süvern'schen Mischung(Chlormagnesium, Aetzkalk und Steinkohlentheer) leicht zubeschaffen sind, wird auch diese gut zur Desinfektion vonLatrinen, Abtrittsgruben, stinkenden Wässern etc. in Gebrauchgezogen. Handelt es sich um die Desinfektion von Abtritts-schläuchen, unzugänglichen Kanälen und Röhren, so sind entwederstärkere Lösungen des genannten Karbolsäurepulvers oder diedurch Verbrennen von Schwefel oder Schwefelfäden erzielteschweflige Säure, sowie Chlorräucherungen anzuwenden.

3) Die Desinfektion von Leib- und Bettwäsche wird durchWaschen mit hinreichend starken Laugen sichergestellt.

Die Wäsche solcher Kranken aber, die an Typhus, Pockenund anderen eminent ansteckenden Krankheiten gelitten haben,sind vorerst in einer Chlorkalk-, Karbolsäure-Lösung oder ineiner schwächeren Lösung von Zinkvitriol (l : 120), von Chlor-zink (1:240) einige Zeit (12 36 Stunden) zu belassen unddann erst in gewöhnlicher Weise zu waschen.

2 ) Vorzugsweise empfohlen sind die Präparate von Karbolsäureder chemischen Fabrik von Schrader und Beirrend in Schönefeld beiLeipzig.

4) Zur Desinfektion von Strohsäcken und Matratzen sinddie Hüllen wie die Bettwäsche zu behandeln, das Stroh zu ver-brennen, die Haare zu sieden.

Die Bettstellen sind mit einer Lösung von Karbolsäure oderChlorkalk, von Zinkvitriol (1 :80) oder Chlorzink (1 : 160) undspäter mit Seifenwasser abzuwaschen.

5) Kleidungsstücke werden am sichersten durch Hitze imOfen (75 90° R.) desinfizirt, in Ermangelung eines Brennofen Backofens etc. wird die Desinfektion derselben durchlängeres Belassen in den ad 3 genannten schwächeren Lösungenund nachheriges Waschen, oder auch durch Schwefel- bezw.Chlorräucherungen je nach den Stoffen ausgeführt.

ü) Da die zur Desinfektion von Wohn- und Krankenräumen,Ställen etc. vorzugsweise zu benutzenden Mittel, wie Chlor,Karbolsäure, schweflige Säure, den sich darin Aufhaltendenselbst schädlich werden können, so sind dieselben in der Regelnur in unbelegten Räumen anzuwenden, und zwar bei ge-schlossenen Fenstern und Thüren.

Die Karbolsäure wird in der Form des oben genanntenPulvers durch Aufstreuen auf den Boden, oder wo man energischerund schneller wirken will, durch Aufstreuen auf erhitzteSchaufeln oder die Ofenplatte angewandt.

Chlorräucherungen werden in der Weise bewirkt, dass manChlorkalk in irdenen Schalen (l Theil) mit 1 x ji Theilen roherSalzsäure übergiesst. Man lässt die Räume etwa 12 Stundenunter der Einwirkung des Chlorgases, das dann durch Oeffnenvon Thüren und Fenstern entfernt wird. Durch Aufstellen VMSchalen mit Liq. amrnon. caust. entfernt man den Chlorgeracham schnellsten.

Je nach der Infektionsfähigkeit der in den Räumen vor-gekommenen Krankheiten sind Fussböden und Wände sorgfältigmit Lauge, Chlorkalk oder Zinkvitriol-Lösung zu reinigen, event.mit neuem Anstrich zu versehen.

Iniizirte Gegenstände von geringem Werthe, deren Des-infektion nur mit unverhältnissmässigen Kosten und grosserMühe durchzuführen ist, werden am besten verbrannt; unbedingtgeboten ist dies bei aller gebrauchten Charpie, bei Kompressen,alter Leinewand, wie überhaupt bei Verbandgegenständen, diebei ansteckenden Krankheiten benutzt waren.

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