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Der Sanitätsdienst bei den deutschen Heeren im Kriege gegen Frankreich 1870/71
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Vlll. Kapitel: Freiwillige Krankenpflege und die Genfer Konvention.

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B. Internationale Leistungen einzelner Völker. 1 )

Vorstehende Uebersieht vermag für sich allein nm soweniger ein ausreichendes Bild des internationalen Zusammen-wirkens auf dem Gebiete der freiwilligen Krankenpflege imKriege 1870/71 zu geben, als wie schon erwähnt dieHilfsgesellschaften verschiedener Länder sich noch in an-derer Weise bethätigten. Dieser anderweitigen Wirk-samkeit vorzugsweise soll im Nachstehenden noch kurzgedacht werden.

1. Schweiz.

In der Schweiz, welche sieb durch die Veranstaltungder Genfer Konferenzen und durch die seitdem unablässig-fortgesetzten Bestrebungen in demselben Kinne einen un-zweifelhaften Anspruch darauf erworben hat, als Vorortder internationalen freiwilligen Krankenpflege angesehenzu werden, wozu sie durch ihre geographische Lage undsonstigen Verhältnisse ohnehin besonders geeignet erscheinenmuss, hatte sich die societe d'utilite publique, welche die< )ktober-Konferenz berief, nach derselben alsInternationalesKomitee" konstituirt, welches die Centralstelle aller inter-nationalen Bestrebungen auf dem Gebiete der freiwilligenKrankenpflege zu bilden bestimmt war und als solche aufallen Seiten Anerkennung fand.

In Folge eines Beschlusses der Berliner internationalenKonferenz vom Jahre 1869 2 ) errichtete dieses Komitee dieinternationale Agentur zu Basel, derenInformations-büreau" mit Hilfe der von Seiten der kriegführendenStaaten übermittelten Nachrichten Auskunft über Vermissteertheilte, während ein anderes Bureau die Bestellung vonBriefen und Geldsendungen an die beiderseitigen Kriegs-gefangenen ausführte. Dieselbe Agentur vertheilte die ihraus allen Ländern anvertrauten Gaben theils direkt aufdem Kriegsschauplatze, theils auf die entfernt von demselbengelegenen Lazarethe beider Parteien. Der Geldwerth dervon der Agentur beiden kriegführenden Völkern zugeführtenUnterstützungen betrug mehr als 3 Millionen Francs.

Die Wirksamkeit des von der Baseler Agentur abge-zweigteninternationalen Hilfskomitees für Kriegs-gefangene" bezog sich begreiflicherweise vorzugsweiseauf die grosse Zahl der Französischen Kriegsgefangenen,doch fanden auch die Deutschen entsprechende Berück-sichtigung.

Die in Basel errichteteinternationale Anstaltzur Beschaffung von künstlichen Gliedinaassen"versah 100 Invalide beider Armeen (darunter 45 Deutsche)mit künstlichen Armen, Beinen und anderen Prothesen.

') Ueberwiegend ebenfalls nach dem Bericht des Gentralkomiteesmit einzelnen Zusätzen aus den Akten des Preussischen Kriegs-ministeriums. Einige der im Nachstehenden erwähnten Lazarethesind im 7. Kapitel dieses Bandes näher beschrieben.

a ) Vergl. Beilage 100 sub IV, pass. 2 und 3.

In Folge eines Aufrufs des Oberkonnnandirenden rUSchweizerischen Armee meldeten sich bis zum 1. Noveml146 Aerzte und 40 Studirende der Medizin zur IW,leistung auf dem Kriegsschauplatz, von welchen ein <Theil auf Deutscher Seite zur Thätigkeit gelangte vbestand (nachdem unter dem 14. November 1870 Vejlungen darüber eingeleitet waren) vom 3. Januar hl28. Februar 1871 eine Schweizerische AmbulanzPruntrut, w r elche nach Art der stehenden Kriegslazaretliedie südlich Beifort etablirten Feldlazarethe unterstützt,.Die Evakuation von dort aus erfolgte mit Hilfe Schvri.zerischer Transportwagen. Die Unkosten wurden grätheils von der Baseler Agentur, der Rest vom Schwei-zerischen Militärdepartement gedeckt.')

2. Niederlande.

Abgesehen von den reichen Beihilfen an GeldMaterial, welche seitens des Niederländischen Vereins zuPflege etc. unparteilich gespendet wurden, widmete sielderselbe besonders der Errichtung und Unterhaltung vonLazarethen in grossem Umfange. Auf Deutschein Bodebestanden Niederländische Lazarethe in Trier, Saarbrücken. 2 )Düsseldorf, 3 ) Wesel, Neuwied und Mannheim; 4 ) in Frankreich (grösstentheils zur Unterstützung der FranzösischeSanitätsverwaltung) in Versailles (vergl. S. 159), La ChapelkBalan, Metz, Havre, Bordeaux, Lille, Pouilly sur MeuseDie Gesammtausgaben des Komitees beliefen sieh auf etwa127 649 Preussische Thaler.

3. Luxemburg.

Die 200 000 Bewohner des Grossherzogthums Luxem-burg setzten das dortige Centralkomitee in Stand, ca. 3u0lH)iFrancs in Geld und Material zur Linderung der Kriegs-nöthe zu verausgaben. 63 Transporte wurden theils denLazarethen in der Umgegend von Metz und Sedan, theil-den verarmten Bewohnern des Kriegsschauplatzes zugeführtInnerhalb des Landes fanden namentlich Französische Ver-wundete und Kranke nach der Uebergabe von Metz Auf-nahme und Verpflegung. Ueber 20 Aerzte und WwAärzte, desgleichen Studenten und mehrere Apothekemeten sich, vorzugsweise nach der Schlacht bei Spicheren,den Verwundeten beider Parteien.

4. Belgien.

Der Belgische Hilfsverein errichtete und unterhielt inVerbindung mit dem Frauenkomitee im In- und Ausländeeine beträchtliche Anzahl von Lazarethen, von welcheneinige sich vorübergehend auf Deutschem Boden befanden

') Vergl. auch Seite 191 (Lazareth in La Ohapelle s. E.) undS. 214 (8. Feldlazareth TIT. Armeekorps).

») Vergl. 8. 335 und 356. 3) Vergl. S. 364.J ) Vergl. S. 334 und 373.

ffaml I.