Druckschrift 
Der Sanitätsdienst bei den deutschen Heeren im Kriege gegen Frankreich 1870/71
Entstehung
Seite
394
Einzelbild herunterladen
 

394

VII. Kapitel: Zelte und Baracken.

B

11. Barackenlazareth der Festung Ulm.

Zur Unterbringung der zahlreichen Kranken des UlmerGefangenendepots wurde ein grösserer Komplex von Kranken-baracken in mehreren Gruppen, ausserdem einzelne Barackenin der Nähe von festen Gebäuden errichtet. Zwei Gruppenvon je 6 bis 8 Baracken standen an einem Abhänge in derNähe des neuen Garnisonlazareths, in je zwei Keinen soangeordnet, dass sich die Baracken jeder Reihe mit etwa12.5 m Abstand die Giebelseiten zuwandten. Die Entfernung/wischen den beiden Reihen betrug etwa 9.5 m. Die Barackenwaren von verschiedener Grösse: die kleineren zu 20, diegrösseren zu 30 Lagerstellen eingerichtet; erstere hatteneine Aussenlänge von 20.8 m; der Krankensaal selbst war.8 m lang, 7.6 m breit, 3.s m bis zum Dache und 4.7 m biszum Giebel hoch, mit 6 Fenstern auf jeder Seite. Sie standenauf gemauerten und betonirten Fundamenten; unter demhohlliegenden Fussboden war der Raum theihveise mitKohlengrus aufgefüllt. Die Konstruktion der Barackenglich im Uebrigen derjenigen der bereits beschriebenenUaracken in Neu-ulm (S. 374). Die Heizung erfolgte in denkleineren Baracken durch 2, in den grösseren durch 3 Kachel-öfen und erwies sich als ausreichend.

Im Ganzen wurden 19 Krankenbaracken und 2 Wirth-schaftsbaracken erbaut.

Eine der Gruppen, aus 4 grösseren und 2 kleineren,im Dezember 1870 erbauten Baracken bestehend, fandVerwendung als Typhusspital. Eine der kleineren Barackendiente als Küche und Bureau. Von den übrigen bliebimmer abwechselnd eine Baracke leer, während eine mitRekonvaleszenten belegt wurde. Im Ganzen fanden bis1. März 1871, dem Tage der Schliessung des Lazareths,70 Typhuskranke Aufnahme, von welchen 13= 18.spCt.starben.

12. Einzelne Krankenbaracken.

Ausser diesen 11 eigentlichen Barackenlazarethen wurdenim Anschluss an die eingerichteten oder bestehenden Hilfs-lazarethe der grösseren Gefangenendepots einzelne Kranken-baracken meistens mit grösserem Fassungsraume erbaut. Die Zeit ihrer Errichtung fiel ebenfalls bei der Mehr-zahl in die kälteren Monate, weshalb auch hier solidereKonstruktionen mit möglichst einfachen Ventilations- undHeiz Vorrichtungen gewählt werden mussten.

Derartige Krankenbaracken befanden .sich in nach-stehenden Gefangenendepots:

In Erfurt gelangte der projektirte Barackenbau fürKriegsgefangene (11000 .Mann) und deren Kranke imNovember zur Ausführung. Eine Baracke für 39 Krankewar schon im Oktober aus Privatmitteln auf dem Peters-berge gebaut und der Militärverwaltung gegen Miethe über-lassen worden; in der Nähe derselben entstanden zweigrössere Baracken gleicher Konstruktion. Die eine. (i2.? m

lang, 15.7 m breit, war für 79, die andere von «]Breite,, aber nur 47 m Länge, für 5(5 Betten bestimmboten diese drei Baracken, welche als Filialen desweiterhin benutzten Hilfslazareths in der Defensions-Edienten, Raum für 174 Betten bei einem Luftraum y37 cbm pro Kopf. Die Baracken waren von Holz ,mit doppelten Bretterwänden; der Fussboden lagFuss über der Erde, von einer Erdaufschüttung umgeben'das Bretterdach war mit Dachpappe belegt: die Vatilation erfolgte durch aufzuklappende, an den Seitenwänden6 Fuss, an den Giebelwäuden 8 Fuss über dem Fussbodenangebrachte Fenster.

In jeder Baracke befanden sich eine Thee-, eine Bad*küche und ein Abtritt. Die Heizung geschah durch eisen»Kanonenöfen, welche pro Tag und liaracke in der kältereiZeit 8 bis 10 Scheffel Steinkohlen erforderten.

Die erzielte Temperatur betrug im Durchschnitt imFebruar 12.i°, im März 12.7°, im April 12.5° R. bei ,. nt .sprechenden mittleren Aussentemperaturen von ]. 0 °. 5-und b.7°R.

Die Baracken wurden in den letzten Tagen des Novemberbelegt und blieben bi3 in den Mai hinein im Gebrauch,Die Belegung erstreckte sich meist nur auf zwei Dritte] davorhandenen Lagerstellen.

Aehnlich den Baracken zu Ulm waren die bei denKriegsgefangenen-Depots zu Altdamm (bei Stettin) be-stehenden zwei Holzbaracken zu je 120 Betten, desgleiche«zu Jüterbog eine am Eingange des Lagers befindliche abHauptlazareth" verwendete Baracke mit 78 Betten unddrei Holzbaracken mit je 18 Betten, sowie endlich zweiim November zu Torgau erbaute Baracken zu je 32 Bettes.

In "Wittenberg wurden unter Leitung der Fortifikatk»zwei grosse Baracken als Hilfslazarethe des Reserve'(Garnison-)Lazareths hergestellt.

Baracke 1 lag auf dem kleinen Exerzirplatze, in derRichtung von SSWNNO. Dieselbe stand auf gemauertemSockel, hatte doppelte, gestülpte, 1 Zoll starke Bretter-wände, doppelte Dachverschalung mit Dachpappendeckungund einen 30 cm über dem Terrain liegenden doppeitelFussboden. Der Zwischenraum (\cv Wände war bis zueiner Höhe von Las in mit Kaff und Steinkohlenasche an-gefüllt. Der in drei Krankensäle getheilte Innenraunenthielt ausserdem Kochküche, Baderaum. Vorrathskammer,Wasch- und Rollkammer, zwei Latrinen und eine Todten-kammer. In der Nähe befand sich ein Röhrenbrunnen.Die Baracke hatte 65 Klappfenster und 38 durch Klappenschliessbare Dachluken.

Zum mittleren Krankensaal gehörten sechs, zu jedem derbeiden äusseren acht eiserne Säulenöfen; die Rauchrohre vonje zweien mündeten in einen gemauerten Schornstein;ebendahin führten Luftschlote von Zinkblech, derenuntere Enden mit dem Räume zwischen dem doppeltenPussboden in Verbindung standen: dieser Zwischenraumkommunizirte durch eine Anzahl länij-s der Wände in (üe

oO

c

=3

<

CO

T3n^3^m^i