Band I.
III. Abschnitt: Zelte und Baracken in Deutschland.
393
l von TUeil die Rauchrohre der vier eisernen Oefen„findeten, bis über das Dach.
Diese Ventilationsart hat sieh sehr gut bewährt; diel ft ist in den stark belegten Baracken, obgleich nur* . 20—21.5 cbm Luftraum auf den Kopf kamen, stets
I .....ujrkenswerth rein gewesen.
jode Baracke hatte 16 mansardenartig vorspringendeFenster und an einem Ende eine grosse Flügelthür; amentgegen
»angesetzten, mit einer kleineren Thür versehenen
Ende waren zu beiden Seiten eines durch Thüren vomKrankenraum getrennten Korridors Nebenräume als Thee-loirlic und Wärterzimmer abgezweigt.
Die Abtritte befanden sich in einem durch Doppel-ihnren abgeschlossenen Anbau in der Mitte einer Längs-wand und waren mit Kübeln ausgestattet.
Die Temperatur der Baracken soll nie unter -j-10°R.gesunken sein.
Die beschriebenen Baracken wurden von AnfangDezember an benutzt, und blieben im Durchschnitt mitetwa 350 Mann belegt. Am Abende des 27. Februarentstand in Baracke I, wahrscheinlich in Folge zu starkenHeizens des nahe an der Giebelwand stehenden Ofensder Theeküche, Feuer, welches fünf Baracken und dieKapelle in kurzer Zeit in Asche legte; die Kranken,36*2 an der Zahl, konnten glücklicherweise alle in einkurz vorher zu Lazarethzwecken eingerichtetes Ponton-ragenhaus gerettet werden.
Die acht übrigen, zum grösseren Theil erheblich be-schädigten Baracken reparirte man und belegte sie in derFolge von Neuem.
Nach Aufhebung des Lazareths im Mai 1871 wurdenzwei dieser Baracken nach dem Bade Oeynhausen translozirt.
Die Baukosten für die BS Baracken hatten 36 528 Thlr.2 Sgr. 3 IT. betragen, also im Durchschnitt pro Baracke2810 Thlr. und pro Bett 309 M. 52 Pf.
S. und !). liarackeiilazarethe hei lilogaii.
Bei Grlogau befanden sich zwei Barackenlager fürGefangene, das eine auf dem Exerzirplatze vor dem Bres-laues Thore, das andere bei Lerchenberg.
a. Auf dem Exerzirplatze.Acht Lazarethbaracken nebst einer Oekonomie-, einerKüchenbaracke und vier Latrinen standen am Südende desLagers auf gemauertem Fundament; der Fussboden lag:il Ins 62cm über dem Terrain; der Baum zwischen derdoppelten Verschalung der Wände war mit Sand ausgefüllt,da- gleichfalls doppelt verschalte Dach mit Dachjoppe ge-deckt; an den Thüren befanden sich Windfänge. Die Ven-tilation erfolgte durch Luftkanäle, welche unter dem Bodenzu den Oefen führten, und durch drei mittels Flaschen-zügen zu öffnenden Klappen im Dach. Die Heizunggeschah in jeder Baracke durch der gemauerte Ziegel- unddrei eiserne Kanonenöfen; dieselbe ergab im März und April
Sanitits-Beiiclit über die Deut dien Heere 1870,71. I. Bd.
bei mittleren Aussentemperaturen von —2.9° und -(-3.7° R.im Durchschnitt 14.7° und 13.e° Innenwärme.
Die Belegungsfähigkeit der acht Baracken betrag35 Mann pro Baracke bei einem Luftkubus von 37 cbm fin-den Kopf; diese Zahl wurde übrigens zeitweise bedeutendüberschritten.
b. Zu Lerchenberg.
Das Lazareth zu Lerchenberg bestand aus 4 IIolz-baracken mit doppelten Wänden und Pappdach zu je35 Betten (eine Baracke enthielt zugleich die Kochküche),1 Waschküche und 2 Latrinen. Die Ventilation fand durchFenster, die Heizung durch eiserne Oefen mittels Torfstatt; die erreichten Wärmegrade betrugen im März 14.2°,im April 14.«° R.
Die Baracken blieben bis gegen Ende Juni in Gebrauchund waren im Durchschnitt mit je 24 Mann belegt.
10. Barackenlazareth zu Königsberg i. Pr.
Im südwestlichen Theile des Barackenlagers für Kriegs-gefangene auf dem kleinen Exerzirplatze zu Königsberg be-fanden sich, nach Nord und Nordost durch die Mannschafts-baracken, nach Süd und West durch die 7.5 m weit entferntverlaufende, 3.7m hohe Umzäunung des Lagers geschützt.4 Krankenbaracken. Dieselben hatten eine doppelte Bretter-verschalung, deren Zwischenraum mit gestampfter Torferdegefüllt war, und bestanden aus je zwei Krankensälen zu28 Betten nebst fünf Nebenräumen für Theeküche, Utensilien-kammer, Unteroffizier-, Lazarethgehilfen-Wohnung und Wach-lokal. Jeder Saal hatte 5 Fenster, in welchen je 4 Ven-tilationsrauten angebracht waren; ausserdem dienten je3 Schlote, in welchen die Rauchrohre der Oefen bis überdas Dach hinaus verliefen, gleichfalls der Ventilation. DieHeizung bewirkten in jedem Krankensaal 4, in jeder Baracke10 eiserne Steinkohlenöfen; als Schutzvorrichtungen warenan den Fenstern Strohmatten befestigt, welche Nachtsheruntergelassen wurden. Die Heizung erwies sich als voll-kommen genügend; das durchschnittliche Verhältniss derAussen- zur Innentemperatur war im Januar —8.c° zu+ 13.7°, im Februar —G. 7 ° zu +15.o°, im März 4-2.4° zu4-15.0°, im April 4-3.9° zu 4-14.8°, im Mai, bei nur ge-legentlicher Heizung, -f-ü.4° zu -f- 12.c°H.
Der Kohlenverbrauch belief sich in der kältesten Zeitauf etwa 10 bis 11 Motzen pro Ofen täglich.
Innerhalb der Baracken befanden sich Nachtstühle;Urinrinnen mit untergestellten Fässern waren in kleinenAnbauten angebracht.
Zu den Lazarethbaracken gehörten eine Kochküche, zweiTodtenkaininern und zwei Kohlenschuppen. Her ganzeKomplex führte den Namen: Baracke 80 bis SS. Belegtwaren die Baracken vom Januar bis Ende Juli. Da einederselben als Kochküche für die gesunden Gefangenen be-nutzt wurde, blieben als Krankenbaracken drei mit zusammen168 Betten zur Verfügung, welche durchschnittlich mit160 Mann belegt waren.
50