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VIT. Kapitel: Zelte und Baracken.
tiand 1.
mit Schwemmsteinen ausgemauert), mit Fenstern versehen,hatten aber keine besonderen Ventilationseinrichtungen.Die Heizung erfolgte durch zwei Zirkuliröfen in jedemKrankensaal, welche, als nicht ausreichend, im Februardurch besser funktionirende eiserne Säulenöfen ersetztwurden. Die mit letzteren erzielten mittleren Wärmegradebetrugen im Februar 12°, im März 13.4°, im April 12.i° R.bei Durchschnitts-Aussentemperaturen von '2.7°, 9° und 7.7°.
Das Barackenlazareth blieb bis 18. Juli in Benutzung,zu welcher Zeit, nach Auflösung des Gefangenen-Depots, dernichttransportable Rest dem Garnisonlazareth Wesel bezw.dem liarackenlazareth auf der Esplanade überwiesen wurde.
Die Baukosten für die sieben Baracken beliefen sich auf21886 Thlr. 12 Sgr. 10 Pf., für jede Baracke 3123 Thlr.23 Sgr. 3 Bf. und für jede Lagerstelle 146 M. 40 IT.
b. Auf der Spellner Uaide.
Das zweite Barackenlager. erhob sich auf demArtillerie - Schiessplatze der Spellner Haide , eineStunde südlich Wesel, wo theils in einem provisorischen,theils in einem für bleibenden Gebrauch bestimmtenBarackenkomplex Räume für nahezu 10 000 Kriegs-gefangene geschaffen waren. Die dazu gehörige Lazareth-anlage, etwa 100 Ruthen westlich vom Lager, bestandans 15 Kiankenbaracken für 500 Kranke, 30 Latrinen,einer Verwaltungsbaracke, einer Koch-, einer Thee-, einerBade- und einer Waschküche, einem Leichenhause unddrei Amerikanischen Brunnen. Das Lazareth stand aufSandboden mit lehmigem Untergründe, war von Wald,Wiesen und Feldern umgeben und hatte gutes Trinkwasser.
Die Bauart der Baracken war im Allgemeinen diegleiche wie bei denen auf der Büdericher Insel, insofernauch sie weder erhöhten Fussboden noch Dachfirstventilationbesassen, ihre Dimensionen aber waren etwas geringer, dieFächer der Aussenwände bei säninifliehen Baracken mitSchwenimsteinen in einer Steindicke ausgemauert, nur* beiden gleichfalls gemauerten Zwischenwänden der beidenKrankensäle betrug die Dicke '/s Stein. Die mit Bretternverschalten Dächer waren mit asphaltirter Pappe gedeckt,Jeder Krankensaal erhielt zunächst zwei Füllöfen, welcheauch hier im Februar durch Säulenöfen ersetzt wurden.Die mittlere Wärme betrug im Februar ll.j°, im März 12.i°,im April 13.,° R. bei einem täglichen Kohlenverbrauch von4—5 Zentnern pro Baracke in der kälteren Zeit.
Die Baracken zeigten sich mehrfach reparaturbedürftig,die Dächer häufig nicht genügend dicht gegen Regen; im.März mussten zwei Baracken wegen Banfälligkeit und Un-dichtigkeit geräumt werden, an deren Stelle dann eine neu-erbaute Baracke trat.
Die Baukosten der ganzen Lazarethanlage betrugen52 400 Thlr.; für die 15 Lazarethbaracken 39 268 Thlr.7 Sgr. 3 Pf.; mithin kostete jede Baracke 2617 Thlr.25 Sgr. 5 Pf. und jede Lagerstelle 235 M. 60 Pf.
7. Barackenlazareth zu Minden.
(Vergl. Tafel LXIII.)
Das Gefangenendepot in Minden hatte im September1870 eine Kopfstärke von 4600 Gefangenen, welche ieinem Zeltlager untergebracht waren. Die Kranken wurdeim Reserve-(Garnison-) Lazareth und in fünf bei demselbeiaufgeschlagenen Krankenzelten zu 8 Betten, zu welchen imOktober noch eine früher erwähnte 1 ) Baracke zu 20 Bettenhinzukam, behandelt; ausserdem waren acht aptirte baracken-artige Gebäude zu Lazarethzwecken in Gebrauch gezogenDie Zelte mussten Mitte Oktober geräumt werden. \|<im November noch 5000 weitere Gefangene hinzukamenschritt die Fortifikation zum Bau eines grösseren Baracken-lazareths auf einer geeigneten, dem Bahnhofe nahegelegenenOertlichkeit, welches in der ersten Woche des Dezeinherfertiggestellt wurde. Dasselbe bestand aus 13 in zweiparallelen Reihen angeordneten Krankenbaracken von ver-schiedener Grösse nebst einer Kapelle. Die Baracken jederReihe standen dicht aneinander. In der Nähe befand sichein Utensilienschuppen und eine Waschbaracke. Das Waffleilieferten vier Röhrenbrunnen. Die Baracken waren nachbesonderem System gebaut, indem man auf eigentliche Längs-wände verzichtet, vielmehr die Dächer bis zum Boden herab-geführt hatte, so dass diese Baracken mehr das Aussehenvon Schutzdächern darboten, deren innere Einrichtungenübrigens, namentlich in Bezug auf die Ventilation, rechlzweckmässige waren. Zur Beschreibung wird eine dasieben grösseren Baracken gewählt, welche Raum für30 Betten gewährten, während die kleineren nur 24 fassten;die Gesammtzahl der Betten betrug 354.
Eine solche grössere Baracke war 26.3 m lang, 11 m breit,vom Fussboden bis zum First 7.l< m hoch und stand mildoppeltem Fussboden auf gemauerten Pfeilern. Auch dieWände, welche zugleich das Dach bildeten, hatten ebenso wiedie Giebelwände eine doppelte Bretterlage: eine äussere ge-fugte und eine innere mit sich schuppenförmig deckendenBrettern; die äussere Schicht war mit Dachpappe benageltDie innere Verschalung reichte nicht ganz bis zum First,sondern bildete O.g m unterhalb desselben eine l.jsm breiteQuerdecke mit vier grossen, um eine horizontale Längs-achse drehbaren Klappen. Ueber dieser Decke gestaltetesich die äussere Verschalung zu einem durchgehenden.schmalen Dachreiter. Längs des unteren Endes der innernVerschalung verlief eine 2.5 m hohe vertikale Innenwand;diese hatte in ihrer ganzen Länge dicht über dem Fhs-boden einen 2.6 cm breiten Schlitz; der Raum hinter dieseiWand kommuuizirte mit dem Zwischenräume zwischen denPussböden, so dass dadurch eine Verbindung dieses letzterenRaumes mit dem Innenraum der Baracke gegeben war.
Vom Fussbodfinzwisehenrauiue aus gingen vier, 46 hl62 cm im Durchmesser haltende eiserne Röhren, in deren
') Siehe S. 3?3.
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