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Der Sanitätsdienst bei den deutschen Heeren im Kriege gegen Frankreich 1870/71
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Band I.

III. Abschnitt: Zelte und Baracken in Deutschland.

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i< Winterunterkunft der Gefangenen ein Barackenlagerffir 5000 Mann errichtet, welches im November undAnfang Dezember bezogen werden konnte. Die dazu^hörige, gegen Ende Dezember fertiggestellte Baracken-Sazarethanlage, au f einem freiliegenden Höhenrücken,n m höher als das Lager errichtet und etwa 600 Schrittin nordöstlicher Richtung von demselben entfernt, bestandum drei grossen Lazarethbaracken, einem Oekonomie-»ebäude mit Kniestock, drei Latrinen, einem Leichen-hause einem Brunnen und zwei Müllgruben. Die Gebäudeiraren zu einein Viereck geordnet, dessen Nordost- undWestseite von den drei Baracken, die Südseite vomOekonomiegebäude gebildet wurde; die Latrinen und dasl.eichenhans befanden sich ausserhalb des Vierecks.

Die Krankenbaracken standen direkt auf dem Erd-boden waren von Fachwerk erbaut, die Fächer mit Schwemm-tfeinen in '/- Steindicke, ausgemauert, die Holzdächer mitLsphaltpappe benagelt. Sämmtliche Baracken waren 10.8mbreit 3 ni bis zum Dach und 5 m bis zum First hoch. DieLän u 'e der nördlichen Baracke betrug 59 m, die der beidenanderen 45.8 m. Jede Baracke enthielt zwei Krankensälezu je 100 Betten; an den Giebelenden befanden sich inder nördlichen Baracke je drei, in den beiden anderen jezwei Offizierzimmer mit je zwei Betten. Ausserdem enthieltdie nördliche Baracke in der Mitte zwischen den Kranken-sälen eine Theeküche, eine Waschküche, eine Rollkammer,eine Flickstube und eine Badestube. Nördlich der letzt-genannten Baracke, mit ihr verbunden durch Gänge, welcheäch zwischen Krankensaal und Offizierstuben quer durch dieBaracke hindurchzogen und dadurch auch den Insassen deranderen Baracken zugänglich waren, lagen zwei Latrinenmit je sechs Sitzen und zwei Urinirständen. Die beidenanderen Baracken hatten in der Mitte je ein Wärterzimmerund zwischen den Offizierzimmern je ein Lazarethgehilfen-jdmmer. Im Oekonomiegebäude befanden sich die Koch-küehe, die Apotheke, die Bureaus und Wohnungen für Aerzte.

Hi'' Baracken, welche in ihren sechs KrankensälenRaum für ßOO Kranke boten, wurden vermittels eisernerSäulenöfen geheizt, deren Rohre in Ventilationsschlotenverliefen. Die erzeugte Wärme erreichte im Durchschnittim Februar 11.7°, im März 12.3°, im April 12.6° R. bei ent-sprechenden mittleren Aussentemperaturen von 4.4°, 7.4°und 8,5°. Der tägliche Steinkohlenkonsum pro Saal beliefsich in der kälteren Zeit auf 22'/2 Zentner.

Die Baukosten der drei Baracken betrugen 27 000 Thlr.,pro Baracke 9000, pro Lagerstelle 135 M.

4. Haraekenlazareth auf dem ({remberge bei Deutz(bei Kalk).

Ein zweites Barackenlager für 8<>ö0 Kriegsgefangenewurde im Oktober am Gr cm berge, östlich Deutz er-richtet. Für die anfangs im Reserve-(G.arnison-)Lazarethund verschiedenen anderen Lokalen innerhalb der Stadt

untergebrachten Kranken benutzte man demnächst das beiKalk östlich vom Barackenlager liegende Feldbäckerei-gebäude, bis bei letzterem drei Lazarethbaracken, von gleicherKonstruktion wie die bei Wahn erbauten, nebst einemOekonomiegebäude hergestellt wurden. Dieselben warenje 6O.2 m lang, II.3 m breit und in zwei Säle zu je100 Betten getheilt, boten also zusammen Raum für600 Kranke.

Neben jeder Baracke befand sich eine Latrine; ausser-dem waren eine Badeküche mit fünf Wannen und zweiKochküchen vorhanden; die Wasserversorgung des Lazarethsgeschah durch eine schon bestehende Wasserleitung, dieHeizung durch eiserne Oefen, deren Rauchrohr jedesmalin einem mit porösen Steinen aufgemauerten Kamine verlief.Die erzielten Wärmegrade waren hier durchschnittlichim Februar 12.i°, im März 13.a°, im April 13. 7 ° R. DieBelegung begann in der zweiten Woche des Dezember undblieb durchweg eine sehr starke.

Die Kosten dieser Baracken betrugen 22 000 Thlr.,also für die Baracke 7333 Thlr. 10 Sgr. und für eineLagerstelle 110 M.

5. und 6. Barackenlazarethe bei Wesel.

In Wesel blieben die am 9. September 1870 ein-getroffenen Gefangenen bis Mitte November auf der Römer-ward, einem am Rheinufer gelegenen Wiesengrunde, ineinem Zeltlager untergebracht; die Versorgung ihrer Krankengeschah zunächst in den Räumen des Reserve-(Garnison-)Lazareths und dessen Erweiterungen. Als mittlerweile dieMenge der Gefangenen die Zahl 18 000 überschritten hatte,wurden zwei grosse Barackenlager erbaut und dieselbengleichzeitig mit Lazaretheinrichtungen versehen.

a. Auf der Büdericher Insel.

Das Barackenlager auf der Büdericher Insel,etwa 20 Minuten südlich Wesel, für 10 000 Mann be-stimmt, erhielt sieben grosse Lazarethbaracken, welche.zusammen mit einem als Lazareth benutzten Pallisaden-schuppen, Raum für 500 Kranke boten. Sechs dieserBaracken lagen parallel nebeneinander an der Nordostfrontdes Lagers, je zwei und zwei durch eine Thee- und Bade-küche verbunden, mit ihrer Längsrichtung von NOSW;die siebente Baracke stand etwas westlicher, dem Mann-schaftslager näher und war gleichfalls mit einer angebautenThee- und Badeküche versehen.

Zu dem Lazareth gehörten, ausser den schon erwähntenvier Thee- und Badeküchen, eine Verwaltungsbaracke, eineKüchenbaracke, eine Waschküche, ein Leichenhaus, achlLatrinen und ein Brunnen. Die Länge der in zwei Sälezu je 32 Betten getheilten Baracken betrug 264 m, dieBreite 11.3 m. Sie waren direkt auf dem Erdboden mildoppelten Bretterwänden und einem mit Pappe gedecktenHolzdache erbaut (nur bei einer Baracke waren die Fächer