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Der Sanitätsdienst bei den deutschen Heeren im Kriege gegen Frankreich 1870/71
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VII. Kapitel: Zelte und Baracken.

Band I.

nördlich vom Fort Alexander begrenzt. Den Boden bildetangeschwemmtes steinig-sandiges Erdreich, unter welchemsich eine auf Schieferbasis ruhende Lehmschicht befindet;der Grund ist daher meist etwas feucht; die hohe exponirteLage garantirt frische gute Luft.

Pas Barackenlazareth lag etwa 200 Schritt südöstlichdes Lagers und bildete mit 13 Krankenbaracken die Formeines gegen das Lager hin offenen Hufeisens, in dessen Mittedie Küchen- und Verwaltungsbaracke sich erhoben, währendausserhalb und isolirt sich die Waschbaracke befand. BeideSeiten des Hufeisens wurden von je 5, von NWSO ge-richteten, in je 2 Reihen zu 2 und 3 stehenden Baracken ge-bildet, während zwei vonNOSW sich erstreckende Barackendie Grundlinie abgaben, hinter deren Mitte, etwas isolirt,eine Pockenbaracke lag. Abseits erhob sich das Leichenhausund ganz isolirt, etwa 100 Schritt entfernt, die 14. Kranken-baracke, welche gleichfalls als Pockenlazareth diente. DieWasserversorgung geschah durch Anschluss an eine vor-handene Wasserleitung. Die Baracken standen auf ge-mauerter, mit einer Erdanschüttung umgebener Unterlage,hatten einen doppelten, auf Eisenbahnschienen ruhendenFussboden. doppelte Wände (deren Zwischenraum mit Strohausgestopft und deren Fugen mit Latten vernagelt waren)und ein mit Dachpappe gedecktes Holzdach, welchesdrei etwa 2.5 m lange und 1 m breite Dachreiter mitleicht zu öffnenden Ventilationsklappen unterbrachen. DieLänge der Baracken betrug 35.2 m, die Breite 6.9 m, dieHöhe in der Mitte etwa 5 m. Im Innern befanden sichneben dem Eingange zwei Wärterzimmer; zwischen diesenführte ein Korridor zum Krankenraum, welcher ursprünglichfür 40 Betten, mit einem Luftkubus von 19.6 cbm pro Kopfberechnet, meist jedoch mit 45 Betten bestellt war, so dass dasLazareth, zu 560 Betten angelegt, im Ganzen bis 650 Krankeaufnehmen konnte.

Neun Baracken hatten nur auf einer Langseite, diefünf anderen auf beiden Seiten Fenster; letztere warendurch Riegel schliessbar.

Die Latrinen lagen, der Mitte der Baracken ent-sprechend, ausserhalb derselben in Anbauten, waren mitTonnen versehen und zur Abfuhr eingerichtet.

Geheizt wurden die Baracken durch je vier grosseeiserne Steinkohlenöfen, welche als Mittel im FebruarII.3 0 , im März 14.o°, im April 11.5° R. bei Durchschnitts-Aussentemperaturen von 3.3°, 6.2 ° und 8.6° und einemtäglichen Kohlenkonsum von 22'/s Zentner in der kälterenZeit ergaben.

Die Belegung war durchweg eine starke; bis zum1. Januar 1871 belief sich die Zahl der Aufgenommenen auf2160 Mann; die Mortalität betrug bis dahin 234 = 10.8 pCt.

Die Auflösung des Depots und damit des Lazarethserfolgte Anfang Juli 1871.

Die Baukosten betrugen (einschl. der drei Oekonomie-baracken) 25 500 Thlr., mithin für die Baracke 1500 Thlr.und für je eine Lagerstelle (zu 560 gerechnet) 136 M. 60 Pf.

2. Barackenlazareth auf dem Petersberge bei Coblegi

(Vergl. Tafel LXII, Fig. 14.)

Bin zweites Barackenlager für 10 000 Kriegsgefangene,wurde im November auf dem nordwestlich Coblemgelegenen Petersberge, in der Nähe der Feste Franzim Terrain um die Rübenacher Schanze errichtet. D»idazu gehörige Lazareth, welches, von dem Gefangenenlagerdurch die Verwaltungs- und Kücheubaracken des letzterengetrennt, innerhalb einer eigenen Drahtumzäununc lacrbestand Ende November aus zehn Krankenbaracken uujdrei Oekonomiebaracken, wozu im Dezember noch z\vi>iim Januar noch drei weitere Krankenbaracken hinzukamenNeun derselben standen einander parallel in einer Beihemit den Längsachsen von NS, vier weitere unmittelbardahinter von 0W, die zwei Pockenbaracken in einigerEntfernung. Die Oekonomiebaracken bestanden aus einerKoch- und Badeküche und zwei Baracken, welche dieBureaus, Wohnungen für Aerzte und barmherzige Schwesternsowie die Magazine enthielten. Die Kranken! »arackenwaren denen auf der Karthause ähnlich; auch sie hatteneinen doppelten, auf Mauerwerk und Eisenschienen ruhendenFussboden, doppelte mit Stroh ausgestopfte Wände und einmit Asphaltpappe belegtes Bretterdach mit vier, durchKlappen verschliessbaren, 2 m langen und 1.6 m breitenDachreitern.

Die Aussenlänge der Baracke betrug 44.8 m. DerKrankensaal hatte im Lichten 37.5 m Länge, 6.9 m Breiteund war bis zum Dache 2.os m, bis zum Giebel 3.9 ni hoch(Dachreiterhöhe O.79 m). Die nur in einer Längswand vor-handenen, 1 m hohen und O.9 m breiten Fenster konntendurch eine Hebevorrichtung aufgezogen und herausgelassenwerden. An dem einen Stirnende befanden sich in An-bauten auf beiden Seiten der Eingangsthür Tonnenlatrinenmit je drei Sitzen. Am andern Ende waren Räume fürbarmherzige Schwestern und den Polizei-Unteroffizier ab-gezweigt.

Die Heizung erfolgte durch vier grosse eiserne Oefen,welche im Februar 14.6°, im März und im April 1"mmittlere Wärme erzielten.

Der Krankenraum enthielt 52 Betten, so dass im Ganzen780 Betten zur Verfügung standen.

Die Baukosten dieses Lazareths betrugen 1600 Thlr.für eine Baracke, 108 M. 60 Pf. für eine Lagerstelle.

Die Auflösung des Lazareths erfolgte gleichzeitig mitder des Lazareths auf dem Karthäuser Plateau (siehe oben),

3. Barackenlazareth auf der Wahner Haide bei Köln.

(Vergl. Tafel LXII, Fig. 5.)Auf dem Artillerie-Schiessplatze der Wahner Haide,südöstlich Köln auf dem rechten Rhein - Ufer, entstandim September 1870 zur provisorischen Aufnahme vonmehr als 10 000 Kriegsgefangenen ein grosses Zelt- undStrohhüttenlager; an gleicher Stelle wurde im Oktober