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Der Sanitätsdienst bei den deutschen Heeren im Kriege gegen Frankreich 1870/71
Entstehung
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Band I.

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III. Abschnitt: Zelte und Baracken in Deutschland.

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.. i j ao . j e ein Zimmer für Arzt, Inspektor und Lazareth-h'lfen ferner im westlichen Flügel eine Todtenkammer,

Jontirungskammer und ein Operationssaal, im östlichen

Bureau ein Rezeptions- und Verbandraum, sowie zweir lirzimmer zu je 4 Betten, welche in den Raum desB ßctsaals mit hineingezogen werden konnten.

Die Latrinen befanden sich auf dem Hofe vor demN'nrdausgange des Mittelflurs, von welchem ein Theil alsVorraum für dieselben abgetrennt war. Dieselben hatten10 \l>trittssitze, 20 Pissoirständer, und eine massive über-böte Düngergrube, welche durch vier mit den FeuerungenlerThee- und Badeküche in Verbindung stehende RussischeRöhren ventilirt wurde. Der Abfluss führte durch einenKanal in die etwa 70 Ruthen entfernte Oder.

Das Lazareth war mit einer durch eine kleine Dampf-maschine getriebenen Wasserleitung versehen, welche dieIhee* und Badeküche, die Klosets und Pissoirs mit Wasserrersorgte. Vor dem Mittelportal befand sich ein HydrantInr den Fall der Feuersgefahr. Heizeinrichtungeti be--Umden nicht.

In besonderen Holzbuden war ein Wachlokal fürJO Mann und am nördlichen Rande des Platzes eineTodtenkammer mit Obduktionslokal eingerichtet. FürRekonvaleszenten standen ein Zelt und eine Laube zur

Verfügung.

Das Lazareth wurde am 1. September belegt, sodann vom|5. bis 22. September wegen notwendiger Reparaturen dessieht ganz regendichten Daches vorübergehend geräumt,worauf es wieder bis 25. Oktober in Funktion blieb. Esbeherbergte fast ausschliesslich Verwundete, zum TheilSchwerverwundete. Die Heilresultate waren sehr günstig;Todesfälle sind überhaupt nicht vorgekommen. Die Zahlder Behandelten betrug 292 Mann.

Das Lazareth rnusste am 26. Oktober wegen zunehmenderKillte, welche sich bei der Höhe der Baracke besondersempfindlich geltend machte, geschlossen werden; die Morgen-temperaturen hatten schliesslich nur noch V-° über Nullbetragen. Die Räumung des Lazareths war zur rechtenZeil erfolgt: zwei Tage später, am 27. Oktober, deckte dermehrfach erwähnte heftige Sturm die Baracke ab und rissdieselbe theilweise nieder.

In Kaiserslautern wurde die für eine projektirteIndustrie-Ausstellung gebaute, grosse hölzerne Hallemit zahlreichen Fenstern und Oberlichtern als Baracken-la/areth eingerichtet und in zwei getrennten Flügeln mitrasammen 100 Betten belegt. In einem Querbau befandenlieh Küche, Bureaus, Magazin and Leichenkammer.

Das Reservelazareth in Göttingen.Bei dem Reservelazareth auf dem Schützenhofe inßöttingen wurden eine Schützenhalle und zwei Tanzzelteptirt; erstere, von sehr luftiger Konstruktion, erfuhr durchAusbau eine Umwandlung in eine grössere Krankenbaracke,konnte jedoch nur bis Ende Oktober benutzt werden.

SaniUts-Bericht über die Deutschen Heere 1870/71. 1 Bd,

Von den Zelten erhielt das grössere, welches einen78 cm über der Erde liegenden Fussboden besass, Bretter-wände mit grossen Fenstern und ein mit Ziegeln gedecktesDach; dasselbe wurde mit 00 bis 70 Betten belegt. Dabei seiner leichten Bauart und bedeutenden Höhe biszum Dachfirst 12.5 m die Ventilation sich als zu kräftigerwies, wurde später in 5.6 m Höhe eine Bretterdeokegezogen. Das kleinere Zelt, zu 30 Betten, erhielt Bretter-wände mit Fenstern und ein Bretterdach mit Pappen-deckung. Der Fussboden lag 15 bis 25 cm über der Erde.Im Oktober versuchte man die luftigen Räume mittelsOefen zu heizen, doch mussten sie im November der Kältewegen geräumt werden.

Blatternspital zu Würzburg auf dem ExerzirplatzeGalgenberg.

Auf dem östlich der Stadt Würzburg hochbelegenenExerzirplatze Galgenberg wurde die grosse FahrzeughalleNo. 312 eine offene Säulenhalle mit Ziegeldach und einerkleinen gemauerten Wachstube am westlichen Ende wegenihrer hohen, freien Lage Anfang Oktober zunächst zu einemTheile für die Unterkunft von Ruhr- und Typhuskrankenaptirt.

In dieser 108.i m langen, 8.8 m breiten und 3 m hohenHalle stellte man zunächst nur zwei Abtheilungen zu je25 Betten her, die eine für Ruhrkranke, die andere fürTyphöse; als ärztliches Zimmer diente das gemauerteWachlokal, woran die Küche mit zwei Herden angebautwurde; am östlichen Ende der Halle ward ein geschlossenerBade- und Waschraum angebracht; die Latrine, in einigerEntfernung von der südlichen Langseite, stand durch einengedeckten Gang mit letzterer in Verbindung.

Trinkbares Wasser lieferte in ausreichender Weise dienahe der Halle befindliche Cisterne (mit 40 000 Kubikfusa= 994.44 cbm Fassungsraum); für den Fall etwa eintretendenWassermangels war die Zufuhr mittels Fässer aus derstädtischen Wasserleitung (Pfosten am Rennwegerthor) vor-gesehen.

Die hygienischen Verhältnisse in dieser hoch undluftig gelegenen Baracke waren vortrefflich, ebenso be-friedigend die Heilresultate.

Als aber der Zugang von Blatteinkranken, namentlichaus der Garnison und dem Gefangenendepot, im Novembersich steigerte und deren Unterbringung in isolirten Räum-lichkeiten innerhalb der Stadt kaum möglich erscheinenliess, wurde die Halle zur ausschliesslichen Aufnahme vonßlatternkranken bestimmt; die wenigen noch dort befind-lichen Typhuskranken schaffte man in das FilialspitalEhehaltenhaus". Nach Desinfizirung der bisher benutztenRäume und Herstellung einer neuen Abtheilung mit30 Betten konnten am 18. Dezember sämmtliche Pocken-kranken in der Halle untergebracht werden. Am 30.Dezembererrichtete man wegen Zunahme der Krankenzahl noch einevierte Abtheilung für 20 Kranke, so dass jetzt die ganze

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