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Der Sanitätsdienst bei den deutschen Heeren im Kriege gegen Frankreich 1870/71
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VII. Kapitel: Zelte und Baracken.

Band I.

Im Allgemeinen bewährten sich diese luftigen Bautensehr gut, sowohl für Verwundete als für Kranke, doch ge-statteten die klimatischen Verhältnisse nur eine kurzdauernde Verwendung, auch litten sie gelegentlich durchdie Stürme des Spätherbstes.

Neunte Gruppe: Baracken verschiedenerKonstruktion an Etappenorten im Tnlande.

Die Baracken dieser Gruppe waren in der Regel eben-falls nur einfache Holzbaracken ohne besondere Ventila-tion«- etc. Einrichtungen, aber zur Benutzung für denWinter mit den nöthigen Heizvorrichtungen versehen. Sieentsprachen im Allgemeinen ihrem Zwecke, der darin be-fand, die mit Sanitäts- oder Krankenzügen ankommendenVerwundeten und Rekonvaleszenten für kurze Zeit auf-zunehmen, bis dieselben in nahegelegene Reservelazaretheübergeführt oder mit der Bahn wieder weiter befördertwerden konnten.

Dergleichen Baracken Hess die Militärverwaltungtheils einzeln, theils zu Gruppen vereinigt an folgendenEisenbahnstationen errichten:

In Königsberg, Mainz und Posen am Bahnhofe jeeine einfache, 15.6 m lange, 12.5 m breite Holzbaracke, mitdoppelter Bretterverschalung der Wände, welche mittelszweier eiserner Steinkohlenöfen geheizt und bis in denSommer 1871 benutzt wurde. Die Baracke in Posen amBahnhofe der Oberschlesischen Bahn brannte am 2. Mai1871 mit dem grössten Theil der Utensilien, doch ohneBeschädigung der Insassen, nieder.

In München wurde am Centralbahnhofe zuerst eineeinfache Holzbaracke als Etappenlazareth zu 40 Bettenerbaut, später jedoch eine leerstehende neue Güterhalle mitWintereinrichtungen,Penstern und 120Lagerstellen versehen.

In Leipzig befand sich am Thüringer Bahnhofe eineEtappenbaracke mit 85 Betten, einem Speisesaal und einemWaschräume; von Anfang März 1871 bis Ende Juli 1871fanden hier 17 Offiziere und 4891 Mann als PassantenUnterkunft und Verpflegung.

In Karlsruhe dienten die im Januar 1871 von derKriegs Verwaltung erbauten, vom Männerhilfsverein ver-walteten Asylbaracken an der Beiertheimer Landstrassein der Nähe des Bahuhofes als Etappenlazareth. Dieselben,4 Kranken- und 1 Küchenbaracke, lagen an einem Schienen-geleise, mit welchem sie durch einen 10 Fuss breiten Holz-perron in Verbindung standen. Sie ruhten auf Pfählen,hatten doppelt verschalte Böden, Wände und Dächer, underhielten Luft und Licht durch seitliche, hochangebrachteFenster; die Heizung geschah mittels grosser Kasernenöfen.Lagerstätten, bestehend aus Pritschen mit Seegrasmatratzen,Kopfpolstern und wollenen Decken, waren für mehr als300 Mann vorhanden. Waschlokale, Abtritte und Desinfek-tionseinrichtungen fehlten nicht. Die Kücheneinrichtungen er-möglichten die gleichzeitige Speisung von 300 bis 400 Manu

mit warmer Kost. Die mittlere Belegung dieser Barac.ltbetrug 118 Mann; die Kosten beliefen sich ohne die \gaben für Material auf 16 000 fl.

In Mannheim wurden bei Beginn des Winters stdes bisher als Etappenlazareth benutzten, schwierieheizenden, grossen, geschlossenen, auf Pfählen von eh-30 cm Höhe stehenden Güterschuppens mit 86 Betten zw'Winter-Etappenbaracken dem Bahnhofe gegenüber erbautDieselben entsprachen im Allgemeinen den Winterbaracke»auf dem Exerzirplatze (vergl. S. 372), waren zu 2832 Betten eingerichtet und durch eine Querwand in zwei \1>schnitte getheilt. Sie standen in einer Reihe mit einander zu-gekehrten Giebelseiten; die abgekehrten Giebelenden ent-hielten je vier Räume für den Arzt, die Wärter, die Thee-küche und die Utensilien. Sie ruhten auf 4 Fuss hohenSteinpfeilern, hatten ein doppelt verschaltes Dach unddoppelten Fussboden; bei ersterein war der leere Raummit Heu, bei letzterem mit Lehm und Sand ausgefülltDie Ventilation fand durch Oeffnuugen am Boden neunFenster an jeder Langseite und ein durchlaufendes Reiter-dach statt. Die Heizung wurde durch je vier Oefen inausreichender Weise bewirkt. Der Fussboden war in dereinen Baracke mit Wasserglas getränkt und mit Strohmattenbelegt, in der andern mit Wachstuch bedeckt. DieseBaracken blieben vom 9. Oktober bis Ende April in Gebrauchund bewährten sich gut.

Zu Freiburg i. B. errichtete die Militärverwaltung amBahnhofe eine Baracke mit 41 Betten, welche namentlich imFrühjahr 1871 den nach Hause zu evakuirenden Franzosenals Unterkunfts- und Verpflegungsstation diente.

In Darmstadt Hess das Kriegsministerium am Bahnhofund dem daranstossenden nordöstlichen Theile des grossenExerzirplatzes 3 einfache Bretterbaracken mit je 20 Bettenals Etappenlazareth errichten. Eine davon wurde im März1871 abgebrochen, die beiden andern blieben bis EndeJuni in Funktion. Als Küche diente ein Eisenbahnwagen.Im Ganzen betrug die Zahl der Behandlungstage 5591.

In Frankfurt a. M. endlich bestand das Etappen-lazareth am Main - Neckar - Bahnhofe aus einer einzigengrossen, 50.2 ni langen, lim breiten, bis zum Dach 2.8 m.bis zum First 5.3 m hohen, einfachen' Holzbaracke für200 Betten, welche im November und Dezember 1870 vomStaate für 2300 Thlr. erbaut wurde. Die Latrineneinrichtungbefand sich innerhalb der Baracke, welche von MitteDezember bis in den Sommer 1871 durchschnittlich mit88 Mann belegt blieb. Die Heizung geschah mittels 8 eisernerSteinkohlenöfen, durch welche im Februar eine mittlereWärme von 9.6°, im März von 9.8° und im April von11 ° R. erzeugt ward.

Ausserdem errichtete oder benutzte die freiwilligeKrankenpflege an sehr vielen Bahnstationen des Inlandeskleinere Baracken und ähnliche Räume zur vorübergehendenUnterkunft und als Erfrischungsstationen.