Band L
III. Abschnitt: Zelte und Baracken in Deutschland.
iVbente Gruppe: Baracken ohne Dachreiter,line besondere Ventilationsvorrichtungenund ohne Bodenerhöhung.
njese Gruppe umfasst — mit Ausnahme der beim
girackenlazareth Speyer erbauton und der zwei beim
immata-Hospital zu Berlin eigenartig konstruirten Baracken
mir ein fache Holzbauten, welche gleichwohl nach
ersten kriegerischen Ereignissen bei dem grossen
Aidrange von
Verwundeten und Kranken wesentliche
ngte leisteten. Der Gebrauch dieser in kürzester Zeit„„(1 in möglichst einfacher Konstruktion errichteten Unter-hnftsräume beschränkte sich meist auf die Zeit des Sommers, ra d Herbstes.
Zunächst ist hier zu erwähnen das Barackenlazareth,1er Stadt Speyer. (Vergl. Tafel LX.)
Bei der vorauszusehenden Nähe des Kriegsschauplatzestrsfen in dieser Stadt bereits gegen Ende Juli auch die-tadtischen Behörden und die freiwillige Krankenpflegereichliche Vorsorge zur Unterkunft von Verwundeten undKranken.
Abgesehen von der Einrichtung mehrerer passenderGel laude wurde auf Kosten und Veranlassung der Stadt-verwaltung der städtische Tabaktrockenschuppen zur Auf-nahme von Verwundeten etc. entsprechend aptirt und imAfflchluss an diesen eine grössere Barackenanlage, theil-«,i<i' aus Ziegelsteinen, unter Leitung des MedizinalrathsDr. Heyne und des städtischen Baurathes Siebert nach desLetzteren Plänen, neu erbaut.
Bezüglich der Krankenbaracken hatte man sich ausökonomischen und technischen Gründen zu einem massivenüaeksteinbau entschlossen, weil zu jener Zeit billiges Bau-material in der Nähe der projektirten Baustelle vorhandenund an geübten Arbeitskräften kein Mangel war, so dassder Bau von Steinbaracken (unter Zuhilfenahme künstlicherAnstrockmmg) in derselben Zeit und ohne höhere Kostenals bei Herstellung aus anderem Material sich ermöglichenliess, überdies eine spätere Verwerthung der Steinbarackenfür gewerbliche Zwecke erwartet werden durfte.
Sämmtliche für die Krankenunterkunft bestimmten Ge-binlichkeiten befanden sich in ziemlich arrondirter Lageund führten die Bezeichnung „Reservelazareth Speyer". DerGesammtbelegungsraum reichte für 528 Betten, wovon 341auf den Tabakschuppen und die Barackenanlage entfielen.Für letztere hatte man das sehr günstige Terrain bei demTibakschuppen in der Nähe des Bahnhofes, eine freie,luftige Anhöhe nordwestlich der Stadt mit lehmhaltigem,'«'lüstern Sandboden, gewählt, welches auf der einen Seiterom Eisenbahndamm und von Strassen begrenzt, auf derandern von Baumanlagen und einigen wenigen Gebäuden(8ommerbierkellem etc.) umgeben war.
Im Ganzen wurden neu gebaut vier grössere Kranken-liaracken aus Backsteinen und eine grosse Holzbaracke füridministrative Zwecke nebst mehreren kleinen Annexen.
Buitäts-Bericht üter die Deutschen Heere 1870/71. I. Ed.
Der Tabakschuppen bildete den Ausgangspunkt derganzen Anlage; derselbe, ein grosser Holzbau, erstreckte siebentlang dem Eisenbahndamm,mit seiner Längsfront von S—N.
An seine nördliche Stirnwand wurde die Kranken-baracke No. I mit der gleichen Längsrichtung angebaut;an diese schloss sich im rechten Winkel nach Westen,durch einen 6 m breiten Durchgang getrennt, die Kranken-baracke No. II; rechtwinklig auf letzteren Bau, mit derRichtung nach Süden, in 8 m Entfernung, wurde die Kranken-baracke No. III, fast parallel mit dem Tabakschuppen ver-laufend, errichtet; auf letzteren folgte wieder im rechtenWinkel, aber in östlicher Richtung und mit einem Abstandvon 10 m, die Krankenbaracke No. IV.
Der Tabakschuppen, sowie die Krankenbaracken No. 1.II und III schlössen einen grösseren Raum, den Lazareth-welcher nach Süden durch die hölzerne Ver-waltungsbaracke seinen Abschluss nach aussen fand. DieserLazarethhof enthielt Brunnen, Reservoirs, Gartenanlagenund die Kommunikationswege. Ausserhalb desselben undnördlich von den beschriebenen Bauten waren die Latrinenfür das Personal, sowie die Sektions- und Leichenkammergelegen. Nordöstlich in geringer Entfernung von derBarackenanlage waren zwei grosse Bierhallen, in grössererEntfernung aber das Frohsinngebäude und das Schiess-haus zur Krankenunterkunft eingerichtet. Die Gesammt-Lazarethanlage war umzäunt: der Haupteingang befand sichneben dem Tabakschuppen an der „oberen Langgasse".Auf der gegenüberliegenden Seite dieser Strasse lagendas Centralbüreau, das Aufnahmezimmer und die Wohnungenfür drei Aerzte in einem Privatgebäude vis-ä-vis der Kranken-baracke No. IV.
Die Einrichtung des Platzes für die Baracken erfordertenur geringe Planirungsarbeiten. Der Tabakschuppen selbst,ein grosser, aus Balkenfachwerk konstruirter und auf dreiReihen Mauerpfeilern ruhender Holzbau, umschloss eineneinzigen hellen und luftigen Raum von etwa 42m Länge, 10mBreite und 17.4 m Giebelhöhe. Behufs Aptirung wurde zu-nächst das Fachwerk von unten bis zur Höhe der ersten Etau'eausgemauert, in dieser Höhe ein Bretterplafond eingezogen,der so gebildete Krankenraum mit 21 Fenstern, 2 Thorenund 2 kleineren Eingangsthüren versehen und mit 72 Bettenausgestattet; 2 Latrinen fanden in einem Anbau Platz.
Konstruktion und Profil der Baracken war bei allengleich, ebenso die Breite und Höhe, nur hinsichtlich derLänge, sowie der Eintheilung der einzelnen Räume zeigtendie Baracken geringe Unterschiede. Die Aussenlänge betrugbei Krankenbaracke No. I 33 m, bei No. II 42.5 m, beiNo. III 50 m, bei Nö. IV 41 m. Die Baumeintheilung wardie nachstehende:
Krankenbaracke I enthielt einen mit 47 Bettenbestellten Krankensaal von 28.5 m Länge im Lichten mit10 Fenstern und 2 Eingängen, an dessen nördliches Ende sichzwei durch Riegelwände getrennte Badekabinen und eineKaffeeküche anschlössen.
48
£=-.J