Druckschrift 
Der Sanitätsdienst bei den deutschen Heeren im Kriege gegen Frankreich 1870/71
Entstehung
Seite
374
Einzelbild herunterladen
 

^^^^^^^^^^^^M

374

VII. Kapitel: Zelte und Baracken.

Band

permanenter Ventilation in Handbreite ringsum durch-brochen. Im Winter wurde diese Spalte zugenagelt unddie Baracke mit vier Säulenöfen versehen.

Die Baracke blieb bis Mitte Juni 1871 belegt. DieBaukosten betrugen 2087 Thlr. 29 Sgr. 5 Pf.

In Neu-ulm (vergl. Tafel LVIII) trat die Noth-wendigkeit eines Barackenbaues zu Anfang des Jahres 1871hervor, als die Räume des bisher benutzten Friedensspitalsfür die zahlreichen Kranken unter den Kriegsgefangenennicht mehr ausreichten. Insbesondere konnten Blattern-kranke daselbst nicht mehr gesondert untergebracht werden.Es wurde deshalb die Erbauung von zwei Krankenbarackenangeordnet und zur Aufstellung derselben das Festungs-terrain südwestlich des Friedensspitals ausgewählt,ein freier Platz mit Kiesgrund zwischen Gartenanlagen,auf der einen Seite vom genannten Spitale, auf denandern zwei Seiten von Remisen und dem Reithause be-grenzt. Beide Baracken parallel zu einander mit einemAbstand von 7.3 m gestellt waren gleich gross und ent-sprachen in ihrer Konstruktion im Allgemeinen den inAlt-Ulm (vergl. Kriegsgefangenen-Lazarethe) erbautenLazarethbaracken. Jede Baracke war 31.75 m lang, 7.30 inbreit, 5.40 m hoch und enthielt ausser dem Krankensaale für32 Kranke am nordöstlichen Ende neben dem Ausgangezwei durch einen Mittelgang getrennte Kabinen (je einefür die Wärter und für die Latrine mit drei Leibstühlen),am südwestlichen Giebel den Haupteingang mit einemVorbau. Der Krankenraum hatte im Lichten eine Längevon 27.7 m, eine Breite von 7.7 m, eine Höhe bis zurDachpfette von 3.« m, bis zum Giebel von 5.is m. Anjeder Längsseite standen 16 Betten in der Weise, dasszwischen je zwei Betten ein grösserer Raum (1 m breit)frei blieb; der Mittelgang zwischen den zwei Bett-reihen war 2. 6 in breit. Die beiden Kabinen hatten je eineLänge von 3.2 m und eine Breite von 2.39 m mit einem2.4 m breiten Mittelgange. Von dem Krankenraum trenntedie Kabinen eine doppelte Bretterverschalung, in der sicheine Thür befand. Die Baracken ruhten auf einem durch-laufenden Mauersockel und zwei Reihen Backsteinpfeilern.Der hohlliegende Fussboden bestand aus einer Lage rauh-gefugter Bretter; der etwa 30 cm abstehende Kiesbodenunter demselben war mit Kohlengrus O.75 m hoch be-deckt. Die Wände besassen eine äussere und eine innereBretterversckalung nebst Fugenleisten ohne Ausfüllung desZwischenraumes. In jeder Längswand waren neun zwei-flügelige, 0.9m breite, l.mi hohe, mit Laden verseheneFenster angebracht, von denen acht auf den Krankenraumentfielen. An den Stirnwänden befand sich je eine Ein-gangsthür von 2.06 m Höhe und 1.02m Breite; der Vorbauam südwestlichen Eingange hatte gleichfalls Bretterver-schalung mit zwei kleinen Fenstern und einer Thür vonderselben Grösse, wie oben angegeben.

Das geschlossene Dach überragte die Barackenwändeum 45 cm, war aussen und innen mit Brettern verschalt,

mit Dachpappe belegt und mit Dachrinnen nebst Abf 11röhren versehen.

Jeden Krankenraum heizten drei gusseiserne Sailöfen auf Hausteinsockel mit Rauchröhren von Eisenbl« lijede Wärterkabine enthielt einen kleineren Ofen.

Zur Ventilation dienten ausser den Fensternkleine Röhren von O.29 m Durchmesser, welche unmittelbar über dem Fussboden die Seitenwände durchsetzten undaussen mit durchlöcherten Blechscheiben, innen mit Schieberversehen waren, desgleichen im Dache je drei Luftabin«röhren von l.ie m Länge und O.n m Durchmesser mitKlappen und Tropfbechern. Mehrere, in die Aussenwändeeingelassene, durchlöcherte Zinkblechtafeln von 0. 033 ,,,Grösse vermittelten die Durchlüftung des Hohlbodens

Beide Baracken wurden binnen sechs Wochen t\ m27. Januar bis 10. März 1871) von Gewerbsmeistern derStadt unter militärischer Leitung kontraktmässig vollendet'der Kostenaufwand betrug 5806 fl. 30 kr. = 9954 Mk. (jpjund zwar für:

Erd-, Maurer- und Steinhauerarbeiten 852 fl. 06 kr.,

Zimmermannsarbeiten......3145 , 12 ,

Schreinerarbeiten....... 238 50

Schlosserarbeiten....... 325 , 26 ,

Glaserarbeiten........ 54 , 38 ,

Uafnerarbeit......... 10 , 48

Blechschmied......... 398 , 16 ,

Gusseisenwaaren....... 251 , 58 ,

Dachpappeindeckung...... 501 , 12

Reinigungs- und Anstricharbeit . . 28 08

somit für eine Baracke 2903 fl. 15

5806 fl. 30 kr..4977 M. 40 Pf.

Die Baracken dienten vorzugsweise zur Aufnahme vonPockenkranken.

Im Würzburg entstand im Dezember eine Kranken-baracke auf dem Walle hinter dem mit Verwundetenüberfüllten Garnisonspitale, ohne Untermauerung oderErhöhung des Bodens, jedoch der Jahreszeit wegen mitdoppelter Bretterwand, deren Zwischenräume mit Strohausgefüllt wurden, und mit Ventilationsöffnungen am Boden.welche durch Schieber geschlossen werden konnten.

Anstatt des Dachreiters, welchen man der schwierigenHeizung halber vermeiden wollte, wurde je das fünfte Brettden ganzen Plafond entlang zum Verschieben eingerichtetund der Zutritt der Luft zum Dachraume durch grosseGiebelthüren und Legefenster auf jeder Dachseite ver-mittelt. Die Eindeckung des Daches bestand in Bretter-Schalung mit Dachpappen-Ueberzug (wurde einige Jahrenach dem Kriege in Schieferdachung umgewandelt).

Die Baracke, welche eine Aussenlänge von 42.30 m, eineBreite von 7..om und eine Höhe von 2.90 m hatte, bot inzwei grösseren und zwei kleineren Abtheilungen Raum für40 Betten.

Eine dreisitzige Tonnenlatrine befand sich, durch Doppel-thüren und kurzen Gang abgeschlossen, an dem Südende.