Druckschrift 
Der Sanitätsdienst bei den deutschen Heeren im Kriege gegen Frankreich 1870/71
Entstehung
Seite
373
Einzelbild herunterladen
 

Band I.

III. Abschnitt: Zelte und Baracken in Deutschland.

373

j Niederländischen Gesellschaft zum rothenKreuz hauptsächlich von Utrecht aus errichtet. Die Ver- Itang de^ Anfangs als reines Zeltlazareth prqjectirten.

5 September mit einem grossen und sechs kleineren/elten fertiggestellten Lazareths musste in Folge einesbeftio-en Sturmes, welcher am 7., noch vor der Belegunglie Zelte umriss, zum Barackenbau schreiten.

Vom 13- September ab bestand das Lazareth aus einerBaracke zu '24 Betten, welche ähnlich den oben beschriebenenSommerbaracken, doch ohne Längsscheidewand, erbaut war,hier kleineren Administrationsbaracke, einem grossen Zeltn l(i Betten sowie neun kleineren, zu lsolir- und Wohnungs-nrecken verwendeten Zelten. Dasselbe zeichnete sich durch<cnw reiche und praktische Einrichtung aus. Es blieb Inszum "20. Oktober in Benutzung und beherbergte währenddieser Zeit 34 Schwerverwimdete.

Der Kostenaufwand für dieses Lazareth, welches seine»animtlichen Bedürfnisse ebenso wie sein Personal ausHolland mitgebracht -hatte, belief sich auf 12 687 Hollän-dische Gulden.

Eine Baracke zu '24 Betten nach Art der Sommer-baracken des Exerzirplatzes, aber ohne Längsscheidewand,wurde nebst einer Küchen- und Oekonomiebaraeke nochBebaut bei dem LazarethSchiesshaus", welches dicht ander Stadt lag. Später errichtete man noch zwei Winter-Etappenbaracken (vergl. S. 38'2), sowie eine grössere Winter-Isolirbaracke (vergl. S. 380).

Zur Verfügung standen sonach in Mannheim ins-wsammt 15 Krankenbaracken, und zwar 10 Sommerbarackenmit 232 und 5 Winterbaracken mit 176 Lagerstellen;hierzu kamen die aptirten barackenartigen Gebäude (Schiess-liaus und Seilerbahn) mit etwa 230 Betten.

Eine ähnliche Dachventilation wie die Mannheimer

Baracken wies die im Garten des städtischen Kranken-hauses zu Offenbach errichtete kleine Isolirbaraeke (vergl.Tafel EVI, Fig. 5) zu 6 Betten auf.

Zu Brandenburg a. d. H. wurden im August 1870im Garten des Reserve-(Garnison-) Lazareths, westlichdes Gebäudes, auf freiem, luftigem Terrain zwei Barackenzu je 40 Betten erbaut. Dieselben standen auf Sand-boden, waren 40.8 m lang, 9.4 m breit und bis zur Decke4.7Ü1 hoch. Fussboden, Wände und Dach bestanden ausgespundeten Brettern; die Wände hatten anfangs biszur Fensterhöhe, später durchweg doppelte Verschalungmit holir-Luftschicht: in Dachhöhe war ein Bretterplafondangebracht. Durch zwei in der Mitte der Baracke befind-liche kleine Zimmer für Wärter war der Raum in zweiKrankensäle (zu je 20 Betten) von 15. 7 m Länge eingetheilt.Jeder Saal erhielt zwei eiserne Steinkohlen-Schüttöfen; dieVentilation wurde ausser den Fenstern durch Abzugsröhrenbewirkt, die neben den Schornsteinen in die Höhe gingen.

Vor den Fenstern waren Strohmatten befestigt. Die Latrinenbefanden sich in einem Anbau, Küche und Bäder imHauptgebäude.

Die Resultate der Heizung waren genügend.

Die Belegung der einen Baracke begann AnfangSeptember: vom November an blieben beide Baracken bisEnde Mai 1871 ununterbrochen in Gebrauch. Eine Barackewurde vom Monat Mai an zum Pockenhaus bestimmt,jedoch erst im Juni mit einem Pockenkranken belegt: derzweite Krankensaal derselben fand Verwendung als Uten-silienraum.

Die Gesanimtzahl der Behandlungstage in den Barackenbetrug 16 15<>.

Die Baukosten beider Baracken, welche dem Garnison-lazareth für den Friedensgebrauch überwiesen wurden,beliefen sich einschliesslich Wintereinrichtung auf 7563 Thlr.8 Sgr. 2 Pf.

In Bunzlau waren bei dem Reservelazareth auf deram östlichen Ende der Stadt frei, hoch und trockengelegenen Schiesshauswiese im August 1870 zwei Holz-baracken erbaut worden.

Diegrössere" Baracke, für 30 Kranke bestimmt, hatteeinen 30 cm über dem Terrain liegenden Passboden, doppeltverschalte Bretterwände, deren Zwischenraum mit einer6 Zoll starken Schicht von Sägespähnen ausgefüllt war,und ein mit Steinpappe belegtes Bretterdach. Statt desDachreiters besass dieselbe zwei Dachfenster und zweileicht zu öffnende Giebelluken. Die Eingangsthür befandsich am Westgiebel und hatte einen kleinen Vorbau alsWindfang. Zwei eiserne Oefen und ein Kachelofensämmtlich mit Torf geheizt ergaben eine ausreichendeErwärmung. Die Beleuchtung geschah mittels Gas.

Diese Baracke blieb vom Anfang September bis EndeApril durchschnittlich mit 25 Mann belegt.

Diekleine" Baracke, zu 10 Lagerstellen, ebensokonstruirt, nur mit mehr Ventilationsöffnungen versehen,wurde erst vom 24. Februar 1871 an belegt.

Bei den Baracken befanden sich fünf Latrinen, eineKoch- und eine Waschküche.

Aehnliche Baracken wurden noch errichtet: eine zu75 Betten bei dem Reserve-(Garnison-)Lazareth in Münsterzur Unterkunft für Pockenkranke und eine in Neisse beimGarnisonlazareth, welche vom Juni bis September 1871belegt war.

Beim Reserve- (Garnison-)Lazareth Minden standenwährend des September im Garten fünf modellmässigeKrankenzelte mit je acht Betten aufgeschlagen. DerBau einer Krankenbaracke für 20 Mann wurde in demselbenMonat in Angriff genommen und Anfang Oktober voll-endet. Dieselbe stand vollkommen frei, hatte einen 62 cmüber der Erde liegenden Fussboden, doppelte Holzwändemit 23 cm breiter Isolir-Luftschicht, ein hölzernes, mitTheerpappe belegtes Dach und drei Ventilationsklappendarin. lieber dem Fussboden war die eine Wand behufs

X

I