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VIT. Kapitel: Zelte und Baracken.
Band ]
Sechste Gruppe: Baracken ohne Dachreiter,mit Ventilations-Einrichtungen verschiedener
Art.
In der Stadt Mannheim, welche in Folge ihrer Lage,alts Knotenpunkt der aus der Pfalz und dem Elsasakommenden, in das Innere Deutschlands fährenden Bahnen,naturgemäss dazu gelangen musste, zahlreiche Verwundeteund Kranke zu beherbergen, ergab sich frühzeitig dieNotwendigkeit, neben einer grösseren Anzahl in Ge-bäuden etablirter Lazarethe dem dringendsten Bedürfnis*durch Errichtung provisorischer Krankenbaracken zu ent-sprechen. So entstand im August das Barackenlazareth(vergl. Tafel LVI, Fig. 1 bis 4) auf dem jenseits des Neckaretwas erhöht und frei gelegenen, aus trockenem Allu-vialboden bestehenden Exerzirplatze. Neun Kranken-baracken bildeten die beiden Schenkel eines nach Ost ste-henden gleichschenkligen Dreiecks, auf welchem die einzelnenBaracken staffeiförmig, mit der Längsrichtung von 0—Win einer seitlichen Entfernung von je 9.4 m von einanderstanden, durch gedeckte Gänge miteinander verbunden.Die Grundlinie des Dreiecks nahmen die Administrations-,Wohnungs-, Operations- und Küchenbaracken ein; in derMitte des Dreiecks befand sich ein Zeltdach für Rekonvales-zenten ; ausserhalb desselben eine Waschküche, eine Sektions-und eine Isolirbaracke. Die beiden (westlichen) Flügel-baracken waren von vornherein für den Wintergebraueh,die sieben anderen sowie die Isolirbaracke als Sommer-baracken erbaut.
Die Sommerbaracken waren je 18 m lang, 6.6 m breit,bis zum Dach 3.6 m, bis zum Giebel 5.9 m hoch. DieStützbalken waren l.jsm tief in die Erde gerammt, mitQuerbalken verbunden, an den Langwänden 2.i m, an denStirnwänden 3.6 m hoch, mit sich deckenden Brettern ver-schalt; der freibleibende obere Raum Hess sich durchRouleaux von leichtem Segeltuch verschliessen. Das über-hängende ziemlich Hache Dach war mit Dachpappe gedecktund übertheert.
Eine Bretterscheidewand theilte die Baracke derLänge nach in zwei Theile; an dieser Wand standenjederseits auf dem 5 cm hoch mit Kies überdeckten Boden11 Betten mit den Kopfenden, so dass die freien Gängelängs der Aussenwände verliefen; in diesen und zwischenden Betten befanden sich Laufbretter: jede Abtheilunghatte an jedem Giebelende einen durch Vorhänge verschliess-baren Ausgang und eine Thür nach dem Verbindungsgangezur Nachbarbaracke; an diesen Gängen befanden sich dieAbtritte mit Abfuhrtonnen.
In gleicher Weise war die Isolirbaracke zu 30 Bettengebaut, nur ohne die mittlere Längsscheidewand; die Bettenstanden hier mit den Kopfenden an den Laugseiten.
Es stellten also diese Baracken einfache Sommer- bezw.Zeltbaracken ohne Fussboden und ohne Dachfirst-Ventilation
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vor. Dieselben bewährten sicli während derJahreszeit durchaus und wurden im Anfanu do> \ ,
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geräumt.
Die beiden Winterbaracken (vergl. Tafel LVj Vibis 3), 36 m lang, 8.s m breit, 3. 6 m bis zum Dach \bis zum Giebel hoch, standen ü.s m hoch über der F 1auf einem Pfahlrost; die Wände waren innen und amit Brettern verschalt, die Zwischenräume mit HeiStroh ausgefüllt, die Fugen mit Leisten gedichteljeder Langseite befanden sich neun, 2.2 m hohe, ]. 6 lu V(1Boden entfernte Fenster, deren oberer Theil nach inneherabgeschlagen werden konnte, während sich der unterein zwei Flügeln öffnen liess. Der Fussboden bestand an«einer einfachen Lage starker Dielen direkt auf dem Pfahl-rost, war mit einem Oelanstrich versehen und mit £matten belegt. Derselbe schwankte bei der Benutzunglieh erheblich. In der westlichen Giebelseite befand sich einebreite Flügelthür; eine kleinere führte von einer Lawnach dem Verbindungsgange. Das Dach bestand ausmit Dachpappe überzogenen doppelten BretterlageDachfirst-Ventilation war bei diesen Baracken durch einevon der gewöhnlichen abweichende Konstruktion hergestellt-es waren nämlich je 4 bis 5 Dachsparren abwechselndl.sm weit über den First hinaus fortgeführt, vonderSpit«aus durch senkrechte Balken mit dem Dach Verbundes,oben und an den Seiten mit Brettern verschalt, so dasabwechselnd nach den beiden Seiten gerichtete inansardeii-fensterartige Oeffnungen entstanden, welche mit Segeltuchverschlossen werden konnten. Die Einrichtung bewirktezwar eine vollkommene Ventilation, bot aber nielnügenden Schutz gegen den Regen; auch wareiKreuzungsstellen des Daches schwer dicht zu halten,was die Heizung der Baracken erschwerte. Erst nachgeschehener Vemageluug der Luken liess sich die Heizungmittels 2 eiserner Steinkohlenöfen in befriedigender Weisbewerkstelligen.
Am Westende jeder Baracke war ein Wärterraimmit zwei Betten und ein Badezimmer abgetrennt. I 1 'Krankenraum enthielt 34 Betten, von welchen je zw«zwischen zwei Fenstern mit dem Kopfende an der Längs-wand standen. Die hölzernen Bettstellen enthielten Strotsack, Seegrasmatratze, Kopfpolster und zwei wollene Decken.
Das Lazareth war vom 8. August bis 9. Dezember 1870belegt; es wurden in demselben 332 Verwundete, zumgrossen Theil Schwerverwundete, behandelt. Die Zahl derTodesfälle betrug 46 = lS.sspCt. der Behandelten; es starbendavon 32 an Pyärnie, 1 an Septicämie, 2 an Erysipelaiund 3 an Tetanus.
Der ganze Barackenkomplex, welcher in Zeit von drdWochen (die sieben Sommerbaracken in sechs Tagen) erbautworden war, kostete 18 0Ü0 fl., jede Sommerbaracke etn1500, jede Winterbaracke etwa 3000 fl.
In der Nähe dieses Lazareths, gleichfalls auf demExerzirplatze, befand sich das internationale Lazarett
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