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Der Sanitätsdienst bei den deutschen Heeren im Kriege gegen Frankreich 1870/71
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VIT. Kapitel: Zelte und Baracken.

Band I,

Dach ein aufzurollendes viereckiges Leinewandfenster an-gebracht; überdies konnte eine ganze Zeltwand abgeknöpftwerden. Der Boden der Zelte war mit Kies bestreut. Umdieselben eventuell für den Winter brauchbar zu machen,brachte man später einen Bretterfussboden an und setzteeinen kleinen eisernen Steinkohlenofen in jedes Zelt;die Wände wurden innen mit "Decken behangen. Aufdiese Weise gelang es, drei dieser Zelte, die, dicht anBaracke II gerückt, mit dieser durch einen gedecktenGang verbunden und von einem Schutzdach überragtwurden, auch den Winter über in Gebrauch zu erhalten.

Zu diesen Englischen Zelten, welche die BezeichnungNo. 18 erhielten, gesellten sich die auf einer Wiese vorBaracke I aufgestellten fünf grossen Russischen, von IhrenMajestäten dem Kaiser und der Kaiserin von Russlandgeschenkten Zelte No. 913. Vier derselben, 1 grosses zu40 Betten bestimmt, aber nur mit 2G Mann belegt, und3 kleinere zu 20 Betten, mit je 14 Mann belegt, waren unter-einander parallel und durch Zeltgänge verbunden so auf-geschlagen, dass sie einen geschlossenen Komplex bildeten,während das 5., ebenfalls zu 20 bezw. 14 Betten, isolirt stand.

Die Russischen Zelte bestanden aus dichtem, mitLeinewandüberzug versehenem Soldatentuch. Der Eingangfand durch eine Portierenthür mit kleinem Vorbau statt.In die Giebel wände wurden Glasfenster eingesetzt, imDach Ventilationsöffnungen angebracht; ausserdem konnteLüftung durch Aufheben einer ganzen Wand erfolgen.

Auch diese Zelte wurden durch Legen von Pussbödenund Setzen von Oefen, von welchen das grosse Zelt 3,die anderen je 1 erhielten, für den Wintergebrauch ein-gerichtet; sie bewährten sich sehr gut; die Wärme warauch in der kältesten Zeit ausreichend und die Patientenfohlten sich in ihnen sehr wohl und behaglich.

Die Beleuchtung geschah durch Petroleumlampen.

Das ganze Baracken- und Zeltlazareth disponirte dem-nach über 72 Lagerstellen in Baracken und 146 in Zelten,zusammen über 218 Betten. Die Verwaltungsräume undWohnungen der Aerzte befanden sich nebst einem Offizier-lazareth im nahen fürstlichen Schlosse.

Die Belegung des Lazareths begann Mitte August undwährte bis zum 1. Februar 1871. Im Ganzen wurden365 Kranke und Verwundete mit 14 169 Verpflegungstagenbehandelt, 9 = 2.5 pCt. starben.

Die Baukosten der beiden fürstlichen Baracken nebstNebengebäuden betrugen 3554 Thlr. 3 Pf., somit für dieBaracke 5331 M., für eine Lagerstelle 217 M. 10 Pf.

3. In Bremen 1 )

(vergl. Tafel Uli)

wurde bei dem als Reservelazareth dienenden allgemeinenKrankenhause eineBaracke nach demMuster derEsse'schen

') Betreffs der Baracke am Bahnhof Neustadt zu Bremen siehe S.352.

Charitebaracke seitens des Senats der freien Stadt er'Dieselbe, inmitten des grossen Gemüsegartens n >Längsrichtung von NWSO gelegen, stand auf lhohen gemauerten Pfeilern, hatte eine ringsum lauf fGalerie und an jedem Giebelende eine breite b e d i/Veranda mit Freitreppe.

In der inneren Raumeintheilung unterschied sidadurch von der Charitebaracke, dass sie einen diebeMKrankensäle (zu je 25 Betten) trennenden Mittelr»besass. in welchem sich zwei Badezimmer, zwei Wärtzimmer und eine Theeküche befanden; auch hier «av 'mitten der einen Langseite, eine Eingangsthür mit Fre'treppe.

Die Länge der Baracke betrug 61.4 m (mit beidpVeranden 70.8 ni), die Breite der Galerie 1. 2 .-, m.

Jeder Krankensaal war 26.8 m lang, 9.5 m breit )\zum Dachreiterfirst 7.8 m hoch und gewährte 37 cbm [ M r<pro Kopf. Die Höhe der Seitenwände betrug 4, 3 , U1Boden, Wände und Dach waren doppelt, mit Isolir-Laft.schiebt. Die Zahl der Fenster betrug in jeder Lau»..wand 28 bezw. 29, wovon auf jede Seite des Kranken-Saales 13 kamen; dieselben hatten schliessbare HolzlädenDie Dachreiteröffnungen waren mit Jalousien versehen.

Die Klosets, welche sich neben den Giebelseitendurch die Galerie vom Krankenraum getrennt, in einemAnbau befanden, waren zur Abfuhr eingerichtet.

Die Beleuchtung der Baracke geschah durch Gas,

Für den Winter ward der Raum unter der Barackedurch Bretterverschalung verschlossen; ebenso wurden dieDachreiterluken mit Brettern zugesetzt und die Ausse*wände durch Aufnagelung von Fugenleisten gedichtet.Jeder Krankensaal erhielt zw T ei grosse eiserne Füllofeiimit langen Rohren, welche durch Ventilationsschachte überdas Dach hinausführten. Die erzielte Wärme betrug imFebruar im Mittel 13.i> 0 R., bei l.i° äusserer Durchschnittetemperatur.

Die Baracke blieb vom 21. August 1870 bis 21. April1871 mit Verwundeten und Kranken belegt; die Betfcenzai]derselben stieg- im Februar auf 60.

Rekapitulation.

Die vierte Gruppe mnfasst im Ganzen 22 Barackenmit 640 Betten, welche sich vertheilen auf:

1') staatliches Barackenlazareth mit 17 Baracken und 510 Betten,1 anderes Reservelazareth ..1 50 .

1 Vereins-Barackenlazareth3 72 ,

1 anderes Vereinslazareth1 , 8

Sa.: 4 Lazarethe

mit 22 Baracken und G40 Betten.

') Es sind dies die städtischen Baracken des Lazarethsdem Tempellmfer Felde (vergl. 8. 343 und 358).