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Der Sanitätsdienst bei den deutschen Heeren im Kriege gegen Frankreich 1870/71
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YTI. Kapitel: Zelte und Baracken.

Band

Von den drei 90 ein hohen Firstaufeätzen, welchedas Dach trug, waren zwei je 5.5 in, der mittlere aber 7 inlang und mit beweglichen Klappen versehen; die innereDachfläche war mit Brettern verschalt, die äussere sowiedie Dachreiter mit Schiefer gedeckt. Die Anzahl derFenster in jedem Krankensaale betrug 16, jedes 1.9omhoch und O.93 m breit, mit beweglichen Scheiben an denoberen Flügeln. Von den Nebenräumen an den Baracken-eingängen, sämmtlich 2.6 m lang und 3.5 m breit, enthieltdie Küche einen gewöhnlichen gemauerten Kochherd, dieBadekabine eine Badewanne nebst Ofen; die Latrinen mitkleinen Vorräumen hatten drei Sitze und ein Pissoir; die Ab-leitungsrohren mündeten in eine gemauerte, bedeckte Grube.

Krankensäle, Küche und Badekabine hatten Anschlussan die städtische Wasserleitung.

Zur Unterbringung von Steinkohlen, Holz etc. dienteeine in der Nähe errichtete kleine Remise.

Bei Beginn der kalten Jahreszeit wurden die Klappender Dachreiter ganz geschlossen und die Giebel innen mitBrettern verschalt, ebenso die Oeffnungen des Hohlbodenszwischen den äusseren Mauerpfeilern verlegt. JederKrankensaal erhielt zwei grosse, gusseiserne Oefen mitgemauertem Mantel von 2.33 m Höhe. Zur Ventilationdienteil hölzerne Luftschachte, welche unter dem Hohl-boden von aussen her frische Luft durch die mit Draht-gitter versehenen Ausmündungen zwischen Ofen und Mantelzuführten; die Luftschachte hatten aussen verschliessbareKlappen. Das Rauchrohr wurde 2 m hoch in vertikalerRichtung, dann' in horizontaler Verlängerung und schliess-lich lothrecht durch das Dach geleitet; an der Durchtritts-stelle befand sich ein sogenanntes Futterrohr von 0.60 mHöhe und O.45 m Durchmesser mit Klappen.

Während der grössten Kälte vermochten die zweiOefen den Krankensaal nicht genügend zu erwärmen; trotzfortgesetzter Feuerung war an den Saalenden nur eineTemperatur von 9 ° R. zu erzielen. An einzelnen Tagenbei heftiger Luftströmung gefror an der Nordseite unterden Fenstern das Wasser in den Gefässen; es musste des-halb noch ein dritter Ofen gesetzt werden; zugleich wurdendie Baracken mit Doppelfenstern versehen. Die Heizbar-machung erforderte einen Kostenaufwand von 687 fl. 47 kr.Der Verbrauch an Feuerungsmaterialien belief sich währendder 190 Tage dauernden Benutzung auf 1524 ZentnerSteinkohlen und 27.37 Ster Föhrenholz; die Kosten hierfürbetrugen 1270 II. = 2177 M. 16 Pf.

Die Baracken wurden am (i. Oktober 1870 bezogenund am 14. April 1871, nach Evakuirung der noch vor-handenen Kranken und Verwundeten in das nächst gelegeneMilitärfilialspital, geschlossen. Es waren an 300 Mann,vorzugsweise Verwundete, zur Aufnahme und Behandlungin 8916 Verpflegungstagen gekommen.

Die Baukosten für beide Baracken betrugen 8928 fl.57'/ s kr. 15 306 M. 91 Pf.

Hiervon trafen auf:

Maurerarbeiten nebst Material........ U20 fl 10

Zimmerniannsarbeiten........... 472s . i»i

Schieferdeckerarbeiten........... 459 _ __

Schreinerarbeiten............. 231 _

Schlosserarbeiten............. 409 __

Flaschnerarbeiten............. 341 _

Schmied- nebst Eisenmaterial (Oefen)..... 515 ^ __

Hafnerarbeiten.............. 19g . _

Glaserarbeiten.............. 38g _ _

Sonstige Erdarbeiten, Fuhren........ 3qq __

Brunnen und Wasserleitung......... 228 an

Brand Versicherungsbeiträge')........ 10 3g

8928 fl^öiTTkr"In ähnlicher Weise waren in Bayern noch je eineBaracke bei den städtischen Krankenhäusern zu Bamber*Aichach und Lindau (1 für 25 Kranke, 2 für je 20 Krankegebaut worden, welche nicht mehr zur Verwendung kda sie eine Wintereinrichtung nicht besassen.

In Sachsen wurde zu Leipzig eine nach Amerikani-schem System gebaute Baracke mit 20 Betten (Privat-lazareth 1) von 20 Mitgliedern des Hilfsvereins errichtetund unterhalten.

Endlich bestand noch in Hessen bei dem fürstSolms'sehen Privatlazareth zu Lieh eine in vorstehendeGruppe gehörige Baracke zu 17 Betten, in welcher 46 Veiwundete (davon 1 gestorben) behandelt wurden.

Rekapitulation.Ueber die Heizungsresultate in Baracken dieser Gruppegewährt nachstehende Temperaturtabelle Aufschlugst

Lazareth

K.-L. I

FrankfurtSt. B. s )

Städt.B.3]

R.-L.II Frankfurt')

(Sachsenhaugen)

Neustadt-EberswaldeLandsberga. d. \V.

V.-L. Aachen 5 ) . . .

V.-L. Frankfurt«) . .

pq

Mittlere Temperatur (°B.) in

Januar

ll.s

12.:;

0.1 +13.3

Februar

+1.6

+ K..-,+11.3

+12,,

12.712.«12

+1.6 15l 15..-,

-l.j

12..

+3.i +13.8

(+10+ 1.6+12

'+11.5

Man

+5.7 +%

+11

+5.7 +1»

+5.i. -rill

+4.« +18.

+5.7 +11.1

') Beide Baracken waren mit3980fl. gegen Brandschaden versieh n

-') Morgens, Mittags, Abends lZtr. Kohlen pro Baracke im Felinur

3 ) Morgens, Mittags, Abends 1 Ztr. Kohlen pro Baracke im Februar

4 ) Morgens, Mittags. Abends 1 V/4 Ztr. Kohlen pro Bartelnim Februar.

') Täglicher Kohlenverbrauch 250 Pfd. in der kälteren Zeit

°) Morgens, Mittags, Abends.